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Marcel Keiffenheim
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Die wahren Kosten von Atom und Kohle

Wenn über die Strompreise für Endkunden debattiert wird, müssen immer wieder die erneuerbaren Energien als Preistreiber herhalten. Zuletzt in der Diskussion über die Erhöhung der EEG-Umlage. Doch diese Argumentation greift zu kurz, wie eine von Greenpeace Energy in Auftrag gegebene Studie zeigt.

Wesentliche Kosten der Atom- und Kohlekraft werden nämlich vom Steuerzahler getragen und damit erst gar nicht in die Diskussion um Strompreise einbezogen. Die Umweltorganisation Greenpeace e.V. und die Energiegenossenschaft Greenpeace Energy eG haben in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen, die teilweise noch nicht vollständig abgeschlossen sind, untersuchen lassen, wie mehr Transparenz in die Kosten der jeweiligen Energieträger gebracht werden kann.

Die am 13. Oktober 2010 in ihrer aktualisierten Fassung veröffentlichte Greenpeace-Studie „Staatliche Förderungen der Atomenergie“ kommt zu dem Schluss, dass die Nutzung der Atomenergie die Bundesbürger von 1950 bis 2010 204 Milliarden Euro gekostet hat. Zukünftige Förderungen erhöhen diese Summe um weitere 100 Milliarden Euro, die Laufzeitverlängerung noch nicht inbegriffen. Jede Kilowattstunde Atomstrom wird durch staatliche Regelungen mit 4,3 Cent subventioniert.

Aufbauend auf diesen Ergebnissen hat Greenpeace Energy untersuchen lassen, welche Kosten diese Förderungen für den einzelnen Steuerzahler verursachen. Die Studie „Billiger Strom aus Kohle und Atom? – Staatliche Förderungen 1970 – 2008“, Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. (FÖS) geht der Frage nach, inwiefern staatliche Förderungen die Stromerzeugung aus Atom und Kohle finanziell begünstigen. Damit liegt ein erster Ansatz für einen Vergleich von konventionellen Energieträgern mit erneuerbaren Energien vor. Dabei geht das FÖS in zwei Schritten vor:

1. Staatliche Förderung von Kohle und Atom aus Sicht der Stromerzeuger

Zunächst werden die staatlichen Förderungen für die Stromerzeugung aus Atomenergie, Braunkohle und Steinkohle für den Zeitraum 1970 bis 2008 ermittelt. Der Berechnung liegt ein erweiterter Subventionsbegriff zugrunde, der neben direkten Finanzhilfen auch Steuervergünstigungen und weitere vom Staatshaushalt unabhängige Regelung wie den Förderwert des Emissionshandels erfasst. Für den Betrachtungszeitraum ergibt sich folgendes Ergebnis: Atomenergie wurde über den gesamten Zeitraum mit 174,4 Milliarden Euro gefördert, Steinkohle mit 273,5 Milliarden Euro und Braunkohle mit 57,7 Milliarden Euro. In Beziehung gesetzt zu den erzeugten Strommengen der jeweiligen Energieträger ergibt sich weiterhin eine Fördersumme pro Kilowattstunde erzeugten Stroms. Aus Sicht der Betreiber von Atom- und Kohlekraftwerken wurde danach jede Kilowattstunde Atomstrom mit 4,1 Cent gefördert. Bei Steinkohle beträgt dieser Wert 3,0 Cent; bei Braunkohle 1,1 Cent.

2. Kosten der staatlichen Förderung von Kohle und Atom aus Sicht der Verbraucher

In dem Maße, wie der Staatshaushalt durch die ermittelten Förderungen belastet ist, ist damit direkt auch der Steuerzahler an der Finanzierungslast der Begünstigungen beteiligt. Vor dem Hintergrund der Debatte um die Mehrkosten erneuerbarer Energien ermittelt das FÖS im zweiten Schritt die indirekten, „unsichtbaren“ Kosten von Strom aus Kohle und Atom. Diese Rechnung wurde beispielhaft für das Jahr 2008 durchgeführt. Um die verdeckten Kosten ermitteln zu können, musste zunächst geprüft werden, welcher Anteil der Fördersumme aus 1. nicht bereits in die Stromrechnung eingepreist ist. Im Ergebnis betrug der Förderwert Finanzhilfen und Steuervergünstigungen 1,9 Ct/kWh für Atomenergie, 2,5 Cent für Steinkohle und 1,1 Cent für Braunkohle. Hinzugezogen wurden bei dieser Berechnung auch die externen Kosten, also Kosten, die nicht von den Verursachern (etwa den Betreibern von Atom- und Kohlekraftwerken) getragen werden, sondern für die die Gesellschaft infolge von Klimawandel oder Umweltbelastung aufkommen muss. Bezieht man diese Effekte ein, ergibt sich ein Wert von 6,1 Ct/kWh für Atomenergie, 5,6 Cent für Steinkohle und 6,3 Cent für Braunkohle. Gemittelt und in Relation zu ihrem jeweiligen Anteil am deutschen Strommix gesetzt ergibt sich so eine Summe von 4 Ct/kWh.

Für das Jahr 2008 betrugen die verdeckten Kosten für den Steuerzahler 4,0 Ct/kWh und ist damit fast viermal so hoch wie die die EEG-Umlage im selben Jahr. Hinzu kommen die Kosten der staatlichen Förderungen, die in die Stromrechnung eingepreist sind (also die Differenz zwischen der Summe aus 1. und 2. ohne externe Effekte). In der Debatte um Stromkosten und für einen umfassenden Vergleich von Energieträgern gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass konventionelle Energieträger in erheblichem Umfang von staatlichen Förderungen profitieren, die nicht direkt im Strompreis enthalten sind. Die Studie des FÖS hat erste Ergebnisse und Diskussionsansätze für den Kostenvergleich von Atom- und Kohlestrom mit erneuerbarem Strom herausgearbeitet und relativiert die häufig geäußerte Kritik an den zu hohen Kosten erneuerbarer Energien.

Für einen umfassenden Vergleich der „wahren Kosten“ von Atom-, Stein- und Braunkohlestrom mit erneuerbaren Energien müssten für die erneuerbaren Energien zusätzlich zur EEG-Umlage ebenfalls weitere staatliche Förderungen gemäß der bei den konventionellen Energieträgern angewendeten Methodik ermittelt werden. Eine solche Studie wird das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im zweiten Quartal 2011 vorlegen.