06.11.2009 | Presse
Greenpeace Energy beteiligt sich an Forschungsprojekt

Heißer Speicher

Eine Vision am Strommarkt soll Wirklichkeit werden: Greenpeace Energy beteiligt sich an einem Forschungsprojekt, dessen Ziel es ist, mit Blockheizkraftwerken (BHKW) die Erzeugungsschwankungen von Windkraft und Fotovoltaik auszugleichen.

 Die Kraftwerkstechnik selbst ist nicht neu. BHKWs bestehen aus einem Motor, der einen Generator antreibt und damit Strom erzeugt. Zugleich wird die Abwärme zum Heizen genutzt. Auf diese Weise lassen sich mehr als 90 Prozent der Energie nutzen, die im Brennstoff (zum Beispiel im Biogas) steckt. Ein etabliertes Verfahren. 

Neu jedoch ist die Kombination mit Wind- und Fotovoltaikanlagen. Denn bislang werden BHKWs meist wärmegeführt betrieben. Das heißt: Die Kleinkraftwerke laufen immer dann, wenn Wärme benötigt wird. Doch gleichzeitig speisen sie eben auch Strom ins Netz - unabhängig davon, ob der gerade benötigt wird oder es womöglich ein Überangebot gibt, etwa weil starker Wind weht. Aus Sicht des Netzmanagements kein optimaler Zustand.

Das Forschungsprojekt will nun das Gegenteil ausprobieren: BHKWs springen automatisch an, sobald - und solange -Wind und Sonne nicht genug Strom produzieren. Dafür werden BHKWs, Fotovoltaik- und Kleinwindkraftanlagen an drei Standorten, in Hamburg, Kassel und Köln, zusammengeschaltet. Ein solches Arrangement nennt sich „virtuelles Kraftwerk“ und liefert witterungsunabhängig die vorgesehene Menge Strom. Laut Johann Schmidt, der das Projekt bei Greenpeace Energy betreut, „ein wichtiger Baustein, um erneuerbare Energien mit schwankender Leistung voll in die Stromversorgung zu integrieren“. 

Obwohl die BHKWs im Projekt also stromgeführt statt wärmegeführt arbeiten, geht die produzierte Wärme nicht verloren. Dafür werden große, speziell isolierte Heißwasser-Speicher installiert, die den Heizbedarf über mehrere Tage hinweg decken können, ohne dass der Motor starten muss.

Zwar könnte man statt Wärme auch den von den Kleinkraftwerken produzierten Strom speichern - etwa in großen Batterien, die Ausgleichsenergie für Windflauten und sonnenlose Stunden bereithalten. Aber das wäre energetisch unvorteilhaft und vor allem viel teurer, erläutert Professor Ingo Stadler vom Institut für Elektrische Energietechnik an der Fachhochschule Köln: „Wärme zu speichern ist hundertmal billiger als Strom zu speichern, deshalb orientieren wir die Betriebszeiten der Kraftwerke am Strombedarf.“ Stadler ist Initiator und Leiter des Projekts. Neben Greenpeace Energy sind die Computerfirmen EMD und Papendorf Software Engineering an dem Vorhaben beteiligt. Sie entwickeln die nötige Hard- und Software, um die einzelnen Anlagen von einer zentralen Leitwarte aus steuern zu können.

Auf drei Jahre ist das Vorhaben angelegt. In der Zeit wird erprobt, wie das Zusammenspiel der einzelnen Anlagen im „virtuellen Kraftwerk“ technisch, wirtschaftlich und energetisch effizient funktioniert. Die Ergebnisse werden zudem auf den gesamten Kraftwerkspark von Greenpeace Energy sowie den Strombedarf aller Kunden der Ökostrom-Genossenschaft hochgerechnet. Und gerade auf diese Erkenntnisse ist Johann Schmidt sehr gespannt: „Greenpeace Energy arbeitet ja auf das Ziel hin, die Kunden zu hundert Prozent aus eigenen Anlagen zu versorgen. Auf diesem Weg kann das Forschungsprojekt ein ganz wichtiger Meilenstein werden.“

Pressekontakt

Christoph Rasch

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