Service

Anti-Atom-Treck

Weitere Infos zum Treck und zur Großdemonstration am 5.9. in Berlin gibt es unter www.anti-atom-treck.de

Greenpeace Blog

Matthias Edler berichtet im Greenpeace Blog über den Treck
blog.greenpeace.de

Truck und Trecker gegen AKWs

Auf ihren Traktoren rollen Bauern aus dem Wendland zur großen Anti-Atom-Demo in Berlin. Ein LKW mit zwei Greenpeace-Energy-Mitarbeitern hat sich in den Treck eingereiht.

Eine Woche sind der Truck und die Trecker unterwegs, bis sie am Samstag, 5. September, zur Kundgebung in Berlin eintreffen. Unterwegs macht die Demo-Tour zum Brandenburger Tor an zahlreichen Orten Station, an denen das Scheitern der Atompolitik in Deutschland besonders greifbar wird, beispielsweise den Katastrophen-Endlagern Asse und Morsleben sowie dem Schacht Konrad. Die Spritkosten für den Anti-Atom-Treck werden über Trecker-Patenschaften gedeckt. Die Belegschaft von Greenpeace Energy und die Firma selbst haben drei Patenschaften übernommen. Unsere Mitarbeiter René Rakebrandt und Rafael Wehrspann fahren mit im Treck mit und berichten im Tour-Tagebuch, was sie erleben.

Tour-Tagebuch

5.9. – Endlich am Tor

Heute gilt’s. Wir stehen um 6.30 Uhr auf. Gestern kamen nicht nur Traktoren aus dem Wendland, sondern auch ein Raiffeisen-Tankwagen. Alle fassen Diesel nach, dann sind wir bereit für die Hauptstadt. Um 8.30 Uhr rollt der Treck Richtung Brandenburger Tor los. Zwölf Kilometer ist der Protest-Corso inzwischen lang – der absolute Wahnsinn. Da staunt sogar der Berliner, der ansonsten schon alles gesehen hat. Vor allem: Sie staunen nicht nur, sie applaudieren sogar. Mittags parken die Trecker die Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor zu. Wir sind alle ein bisschen fertig. Aber die Demonstranten, die mit Sonderzügen, mit regulären Zügen, mit Bussen, mit Privatautos aus der ganzen Republik nach Berlin gekommen sind, bringen die Euphorie mit. Der Funke springt über. „Atomkraft?“, fragt auf der Bühne jemand ins Mikro. „Nein danke!“, brüllen 50.000 Kehlen zurück. Die Organisatoren sind überwältigt, dass so viele Demonstranten gekommen sind. Und wir sind es auch. Eine Woche sind wir angefahren, haben im Regen gezeltet, haben in Morsleben Pfefferspray abgekommen. Aber wir haben auch viel Spaß gehabt, Sympathie und Zustimmung erlebt. Und es ist deutlich geworden, wie wichtig es ist, gegen Atomenergie auf die Straße zu gehen. Wir haben ein Zeichen gesetzt. Und es ist gesehen worden.

4.9. – Das Treffen der Trecker

Wow, bislang fuhren im Treck ja schon gut 100 Trecker im Anti-Atom-Treck mit. Aber seit heute sind wir jetzt richtig viele: Um 18.30 Uhr haben wir auf den Rieselfeldern in Berlin-Gatow die übrigen Traktoren getroffen, die direkt aus dem Wendland nachgekommen sind: 220 Trecker rollten an – und hatten noch einmal 150 Traktoren hinten auf den Anhängern. Insgesamt sind wir jetzt fast 500 Trecker. Allein all die Fahrzeuge auf die Wiese in Gatow zu bringen, hat über zwei Stunden gedauert. Alle sind total begeistert, weil viel mehr Bauern gekommen sind, als man zunächst dachte. Wir bejubeln jeden Trecker, der zu uns stößt – Musik, Klatschen, Gejohle, super Laune. Wenn wir die Stimmung auch morgen entfachen können, wird das ne richtig geile Demo.

3.9. – Aggressive Polizisten in Morsleben

Stopp am Endlager Morsleben. Wir haben die Hoffnung, auch hier ein Zeichen setzen zu können. Doch ein massives Auftreten der Polizei verhindert dies. Zum Teil mit äußerst aggressivem Vorgehen: Einige Beamte setzen gezielt Pfefferspray (ein starkes Reizgas) ein. 15 bis 20 Demonstranten, darunter auch einer von uns Tagebuchführern, bekommen die brennende Substanz ins Gesicht und in die Augen – das ist sehr schmerzhaft. Mit der Kamera ausgerüstet halten wir ein Bild fest, auf dem ein Beamter mit seiner Pistole auf einen Bauern aus dem Wendland richtet – beängstigend. Schade, eine Begehung wie im Endlager Asse bleibt aus!!!

In Magdeburg ist die Stimmung runter und wir bleiben mit vielen weiteren Treckteilnehmern auf einem Parkplatz stehen, da die Polizei nur Trecker auf den Domplatz lassen will. Dann endlich, nach der Kundgebung auf dem Domplatz, setzt sich der Treck Richtung Genthin in Bewegung. Morgen ist die Zusammenkunft mit den Treckern aus dem Wendland. Wir freuen uns schon jetzt auf die Begegnung!
Berlin wir kommen!

2.9. – Zeichen setzen!

Die gestrige Nacht war lang. Wir sind nach dem Abendbrot und nem ordentlichen Regenguss zum Endlager gegangen. Die Polizei hatte die Einfahrt mit Hunden schwer bewacht, und wir konnten nicht weiter. So sind wir zurück in das Lager und haben den restlichen Abend feucht fröhlich ausklingen lassen.

Heute Morgen gehen wir spontan, nach einem ausgiebigen Frühstück, nochmals zum Endlager. Ohne nennenswerte Probleme können wir es betreten. Die Sicherungskräfte sind entspannt und freundlich. Etwa ein Dutzend Demonstranten erklimmen den Förderturm und setzen mit einem Banner „Stoppt das dreckige Atomgeschäft“ ein Zeichen. Friedlich ziehen wir wieder ab, nun steuern wir das nächste Endlager in Morsleben an. In Helmstedt eine weitere Kundgebung und um 20 Uhr erreichen wir endlich unser Lager. Schnell die Zelte aufgebaut und ab in den Schlafsack - der Tag war aufregend und anstrengend!

1.9. – Auf zur Asse!

Wir verlassen Salzgitter und begeben uns auf den Weg zum Atommüllendlager Asse. Es sind weitere Treckteilnehmer dazu gestoßen, Anfang und Ende der Fahrzeugschlange sind kaum auszumachen (Der Treck hat in etwa eine Länge von 2 Kilometern erreicht). Die Tour führt uns durch Wolfenbüttel, wo uns Treckern die Ehre zu Teil wurde auf dem Schlossplatz unsere Kundgebung abhalten zu können. Zur Erinnerung wird der Stadt ein Findling mit der Aufschrift „strahlend – giftig – ewig“ von der Bäuerlichen Notgemeinschaft übergeben. Hier in der Region ist der Widerstand deutlich zu spüren. Die Menschen strömen begeistert vor die Türen um uns Glück für die Reise zu wünschen und überall ist das gelbe A mit der Aufschrift „aufpASSEn“ in Gärten, an Hausfronten oder in den Händen der heimischen Bevölkerung deutlich sichtbar.

Zweite Station mit Kundgebung, organisiert von der dortigen Bürger Initiative, ist Sickte. Zur Begrüßung spielt die Schulband der Grund- und Hauptschule Sickte auf. Es gibt Kuchen und Getränke – eine Spende der dortigen Einzelhandelsbetriebe. Noch wenige Kilometer und wir haben unser Ziel erreicht. Heute Abend wollen wir geschlossen zum Atommülllager vorgehen. Mal schauen wie es wird. Jetzt haben wir aber erstmal andere Sorgen. Der Himmel zieht sich zu. Es wird bestimmt regnen.

31.8 – Der Treck legt alles lahm

Berufsverkehr und Treck? Neee, dat geit so nich (das ist Plattdeutsch – so wird hier viel geredet)! Wir bewegen uns durch Automassen. Was prima klappt, weil unsere Motorradcrew den Weg frei macht: Sobald wir uns einer Kreuzung nähern, brettern die Motorradjungs und -mädels vor und sperren die Zufahrten. Dann rollt der Treck an den wartenden Pkws und den sichernden Motorrädern vorbei. Sobald der letzte Trecker die Kreuzung passiert hat, wird die Straße wieder freigegeben – die Motorräder starten durch zur nächsten Kreuzung. Echt toll!! Ein Motorradteam nennt sich „Kuhle Wampe“ – da kommt keiner durch! Am frühen Mittag ziehen wir in Salzgitter auf dem Rathausplatz ein. Kundgebung und Treckmarkt (T-Shirts und vieles mehr wird feilgeboten). Interviews, Jung und Alt tummeln und erfreuen sich an den bunten, freundlichen und lustigen Treckteilnehmern. Nach einer weiteren Kundgebung der IG- Metall am VW-Werk Salzgitter bewegt sich der Treck zurück ins Lager. Heute verbringen wir eine weitere Nacht in Salzgitter. Der Nachmittag ist noch jung, und wir basteln an unserem Fahrzeug – ein X (das Widerstandsymbol der Wendländer) muss her. Beim Bauer besorgen wir uns zwei Bohnenstangen (ca. 2 Meter lange Rundhölzer) und gelbe Farbe. Kabelbinder haben wir von unseren Nachbarn bekommen – das X ist angebracht.

30.8. – Statt Dusche ein Bad in der Menge

Aufbruch des Trecks aus dem Wendland Richtung „Schacht Konrad“ (Salzgitter) über Braunschweig. Der heutige Sonntag wird lang.
Wir fahren über Land- und Kreisstraßen, durch kleinere und größere Ortschaften.
Es ist wirklich beeindruckend, wie viele Menschen auf die Straße kommen und uns applaudieren und freundlich begrüßen. Selbst die Bauern, die vor 30 Jahren schon dabei waren, haben das so nicht erwartet.
Zwischendurch sind auch noch zusätzliche Fahrzeuge aus Lüneburg und Uelzen dazu gestoßen, und am Nachmittag erreichen wir geschlossen Braunschweig. An drei Plätzen kommt es bei der Fahrt durch die Stadt zu, teils auch ungeplanten, Begrüßungsaktionen für uns.
Am Rathaus findet eine große Kundgebung statt. Die Redebeiträge werden von einer großen Plakat-Aktion begleitet, die die ganze Rathausfront verhüllt.
Wir sind zwar unausgeschlafen und ungeduscht, aber dafür gibt´s ein Bad in der Menge.
Das macht alles wett! Unsere Heckscheibe ist während der Fahrt rausgefallen (alles heile geblieben). Da ziehen jetzt schön die Abgase während der Fahrt rein. Kriegen wir aber wieder hin!
Am „Schacht Konrad“ schlagen wir bei einem örtlichen Bauern unser Lager auf.
Lecker Essen, Zuckerrübenacker und Livemusik. Wir werden gut schlafen

29.8. – Der Treck rollt

Nach einer lauschigen Nacht im Wald brechen wir unser Lager um 8 Uhr morgens ab.
In Gorleben laufen wir die Dorfbäckerei an und stärken uns mit hausgemachter Leberwurst auf Brötchen und einem heißen Kaffee – die Nacht war kalt!
Mittags, nach einer kurzen Ortsbegehung, geht’s zum Treffpunkt – Atomabfallplatz.
Die ersten Trecker, Lkw, Pkw, Motorräder und unerschrockenen Radfahrer rollen an. Der Strom reißt nicht ab. Schließlich sind es rund 100 Fahrzeuge.
Dann fällt der Startschuss. Wir werden mit den besten Wünschen aus der „Heimat“ Richtung Berlin entlassen. Trommelwirbel und jede Menge Wendländer begleiten die Ausfahrt. Der Treck rollt – Emotionen pur!!!
20 Kilometer weiter wird das erste Übernachtungslager in Reddebeitz angesteuert.
Bratwurst, Bier und nette Menschen für eine gute Sache -  was will man mehr!

28.8. – Letztes Camp vor dem Treck

Freitags um 14 starten wir in Hamburg mit unserem Lkw Richtung Gorleben (Wendland). Ein kurzer Zwischenstopp zu Hause bei Rafael in Scharmbeck nahe Winsen an der Luhe. Wir essen lecker Spaghetti-Bolognese. Frisch gestärkt geht's zum Getränkemarkt ;) Nach einer entspannten Fahrt kommen wir um 19 Uhr im Wendland an.
Der Atommüll-Abstellplatz wird kurz inspiziert, und in Anbetracht des schwindenden Tageslichtes haben wir uns zügig dafür entschieden, ein geeignetes Nachtlager in strahlenarmer Umgebung zu suchen. Wir werden fündig - ein nahgelegenes Wäldchen lädt zur Nächtigung ein! Zeltaufbau, Feuerchen und den Mond über den Wipfeln. Schön!!!
Der Treck kann losgehen.

Ausstieg in trockenen Tüchern

Zumindest auf der Plane des Greenpeace-Energy-Trucks steht der Ausstieg fest: „Wer stört muss aus! – Pannenmeiler abschalten, Atomkonzernen kündigen!“, lautet die unmissverständliche Botschaft, die ab 29. August im Anti-Atom-Treck durchs Land rollen wird. Vor dem Tour-Start unseres Lkws wird der Schriftzug im Hamburger Greenpeace-Aktionsmittellager aufgebracht und trockengefönt.