Mitstreiter, Partner & Kunden

„Nachhaltigkeit ist etwas, das eigentlich unerlässlich ist, um in die Zukunft zu schauen.“

Joe Hofmann

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Joe Hofmann, Vorstand von Parkour Creation e. V. in Hamburg, Deutschlands einziger Sporthalle für Parkour, eine neue Trendsportart, bei der man lernt, Hindernisse auf unterschiedlichste Weise zu überwinden. Seit 2017 Kunde und Kooperationspartner von Greenpeace Energy.


Greenpeace Energy: Hallo, Joe, du hast mir von deiner Vorgeschichte erzählt als Ex-Steuerrechtler, als IT-Projektmanager. Und jetzt Parkourläufer? Und Vorstand eines Unternehmens, das sich „nur“ damit beschäftigt, wie man über Hindernisse kommt? Warum?

Joe: Früher, 2012, habe ich zwar für große Firmenkunden gearbeitet, aber den Sinn meiner Arbeit, den habe ich nicht mehr gesehen. Es ging nur darum, wie viel Zeit man einsetzt und was der Uplift, was die Rendite ist. Das war mir zu wenig, ich wollte wirkungsorientiert arbeiten. Dann habe ich mich umgeguckt, welche Möglichkeiten es gibt, und über den Sport meine Mitgründer und Mitvorstandsmitglieder kennengelernt.

Greenpeace Energy: Das heißt, du hast dein Hobby, deine Leidenschaft zum Job gemacht? Bist du glücklich damit?

Joe: Sehr. Das war bisher eine entbehrliche Zeit mit Bandscheibenvorfällen und 100-Stunden-Wochen – bis heute noch. Aber ich würde es immer wieder machen. Das Besondere bei uns ist, dass wir eine Sporthalle rein für Parkour haben und dafür auch einen Verein gegründet haben. Er hat sich vom reinen Unternehmen hin zu einem Projektträger mit einem Programm entwickelt: Wir möchten einen nachhaltigen Impact erreichen – auf die Selbstwahrnehmung der Teilnehmer, auf das Körpergefühl, Körperbewusstsein, auf das Selbstbewusstsein. Denn mit dem Körperbewusstsein geht auch einher, dass man sich mehr vertraut, sich mehr zutraut und ganz anders durch die Welt geht. Und ein achtsameres Umfeldbewusstsein an den Tag legt.

Greenpeace Energy: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Joe: Ich war es nicht alleine, Gott sei Dank. Ich bin der Ökonom im Team aus Sozialpädagogen, Sportwissenschaftlern & Co. Uns verbindet alle eine Leidenschaft, nämlich Parkour. So entstand die Idee der Halle. Und ich habe da meine Chance gesehen, das umzusetzen, was ich mir vorgenommen hatte: wirkungsorientiertes Handeln. Wir haben eine ganz besondere Fläche hier direkt in der City gegenüber den Deichtorhallen. Das ist ein Kunst- und Kulturquartier. Einen idealeren Ort gibt es nicht, weil Parkour auch eine kreative Sportart ist. Wer das einmal gemacht hat, wird fürs Leben geprägt: Es geht um das Gefühl, wie man mit Grenzen, Hindernissen usw. umgeht.

Greenpeace Energy: Wie passt das zu Nachhaltigkeit?

Joe: Für mich ist das kein Begriff, der technisch, sondern der sehr menschlich ist: Dass man so sehr geprägt wird von Wissen oder einem Lebensstil, dass man seine Handlungsweisen anpasst. Und zwar über einen langen Zeitraum. Nachhaltigkeit ist etwas, das eigentlich unerlässlich ist, um in die Zukunft zu schauen. Ich bin auch sehr interessiert an ökologischer Nachhaltigkeit, aber ich finde, dass man das größer fassen muss: nachhaltig am Gemeinwohl arbeiten. Im Prinzip müssen wir ja darüber diskutieren, dass es in 200 Jahren vielleicht keine Menschen mehr auf dem Planeten gibt, dann muss das doch Priorität haben.

Greenpeace Energy: Ist es das, was dich aufregt?

Joe: Ja, man hört immer und überall: „Rettet die Erde!“. Das ist eigentlich totaler Quatsch. Wenn man sich das anschaut, wo die Erde herkommt und was sie schon erlebt und überstanden hat, dann müssen wir die Menschheit, nicht die Erde retten! Diese Ignoranz, die ärgert mich sehr.

Greenpeace Energy: Und wie?

Joe: Das Verständnis kann ich nicht per Gesetz vorschreiben, es muss freiwillig kommen. Ich würde am liebsten die Menschen auch mal schütteln, sagen: „Wacht doch auf! Überlegt doch mal, was mit euren Kindern oder Enkeln oder den Urenkeln ist.“ Was ich umsetzen würde, wäre, dass man weniger Interessen des Kapitals durchsetzt, sondern Interessen für die Umwelt, für die Menschheit.

Greenpeace Energy: Haben dich die Begegnungen mit den Flüchtlingskindern in dieser Hinsicht beeinflusst?

Joe: Sehr. Für uns ist das Projekt eigentlich Inklusionsarbeit. Wir stellen das Individuum in den Mittelpunkt und schauen uns an: Mensch, die Divan macht total gerne Parkour, aber ihre Mutter ist skeptisch, weil der Weg zu uns im Winter dunkel ist. Also stellen wir ihr jemand zur Seite, der sie die 500 Meter nach Hause bringt und damit kleine Hürden abbaut. Hindernisse werden so zu Möglichkeiten, zu Chancen.

Greenpeace Energy: Passt das auch auf das berühmte 1,5 Grad Ziel?

Joe: Yes! Das ist eine absolute Möglichkeit. Wenn man technikaffine Blogs usw. anschaut und auch was Greenpeace Energy an Lösungen hat, dann arbeiten viele schlaue Köpfe unserer Gesellschaft ganz stark daran, das Ziel zu erreichen. Und diese Herausforderung ist für mich eine totale Möglichkeit. Weil: Wenn wir uns alle in der Gesellschaft zusammentun, dann kann man das nicht nur erreichen, sondern auch noch weiter übertragen. Da bin ich mir ganz sicher.

Greenpeace Energy: Ein prima Schlusswort finde ich, lieber Joe, danke dir für das Gespräch.