Mitstreiter, Partner & Kunden

„Wenn wir so weitermachen, dann wird die Welt bald nicht mehr so aussehen, wie sie aussieht. “

Jan Thelen

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Jan Thelen, Geschäfts­führer und Co-Founder von recolution, einer nach­haltigen Streetwear-Marke aus Hamburg. Seit neun Jahren definieren er und sein Mit­gründer Robert Erfolg auch jenseits von Gewinn­maximierung. Seit 2011 sind sie Kunde und Kooperations­partner von Greenpeace Energy.


Greenpeace Energy: Lieber Jan, was treibt dich an?

Jan: Etwas zu erschaffen, das es so noch nicht gibt. Es ist ein Geschenk, neue Sachen ausprobieren zu dürfen. Und unser Team, das treibt auf jeden Fall auch an. Wir haben „irgendwie“ einen Arbeitsplatz geschaffen, der Leute inspiriert, sich weiterzuentwickeln. Vor allem glaube ich aber, dass man nicht einfach irgendwas machen sollte, um Geld zu verdienen, sondern etwas, das auch dem Gemeinwohl dient. Robert, mein Mitgründer, und ich sehen die Welt halt ein bisschen anders – wir denken nicht gewinnmaximiert.

Greenpeace Energy: Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Jan: Als Begriff hat Nachhaltigkeit einen faden Beigeschmack. Dabei ist es essenziell, nachhaltig zu denken und zu wirtschaften, was viele Aspekte betrifft: In unserem Sektor beginnt es zum Beispiel damit, dass die Baumwolle mit Fruchtfolgen angebaut wird, man den Boden sozusagen wieder aufforstet und nicht verseucht, wie das im konventionellen Bereich passiert. Wir versuchen, das in allen Bereichen bis hin zum Stromanbieter komplett durchzuziehen. Deswegen ärgert es mich umso mehr, dass „Nachhaltigkeit“ oft missbraucht wird. Wenn große Brands sich das Überstülpen und als Marketinginstrument völlig überkandidelt raus posaunen, und dahinter ist oft nichts – das ist ärgerlich. Weil der Kunde es am Ende ja gar nicht mehr objektiv beurteilen kann.

Greenpeace Energy: Stell’ dir vor, du könntest eine wichtige Entscheidung einfach durchsetzen. Welche wäre das?

Jan: In Deutschland auf jeden Fall Braunkohle abschaffen. Das ist ein völlig falscher subventionierter Bereich. Hätte man dieses Geld auch in den letzten Jahren richtig investiert, also in nachhaltige Energien, dann wären wir ganz woanders.

Greenpeace Energy: Glaubst du denn, dass wir trotz allem das 1,5-Grad-Ziel noch hinbekommen?

Jan: Das ist eine sehr komplexe Frage, weil da so viele Einzelinteressen dranhängen. Ich glaube, man könnte es definitiv schaffen. Aber nicht so, wie es gerade läuft: Die einzige Motivation scheint zu sein, nach der nächsten Wahl wieder als Sieger dazustehen. Wenn wir so weitermachen, dann wird die Welt bald nicht mehr so aussehen, wie sie aussieht.

Greenpeace Energy: Was würdest du also den Politikern mit auf den Weg geben?

Jan: Zieht euch warm an!

Greenpeace Energy: Aber dann bitte bio und fair... Gibt es etwas, was man den Fridays-For-Future-Jugendlichen raten sollte, was kann man von denen lernen?

Jan: Macht weiter so! Das ist genau das Richtige. Und lernen kann man, glaube ich, alles von ihnen: sich unserer Welt mehr zu widmen, Leitsätzen und Werten zu folgen. Und zu gucken, dass wir Sachen ganz schnell und dringend besser machen als bisher.

Greenpeace Energy: Wie sieht dann Deutschland in zehn Jahren aus?

Jan: Ich hoffe, grün, autofrei. Mit einer grünen Regierung. Mit mehr Gemeinschaft, mit mehr Miteinander, mit einer hoffentlich schwächeren oder am besten gar nicht mehr vorhandenen rechten Szene. Das, finde ich, ist auch ein ganz wichtiger Punkt in Europa – das geht leider gerade in die andere Richtung. Hier muss man politisch aktiv sein und sich klar positionieren.

Greenpeace Energy: Auch ein Ökostromanbieter wie Greenpeace Energy?

Jan: Unbedingt. Wenn man sich mit grüner Energie auseinandersetzt, dann halte ich es für essenziell, dass man auch Stellung zu anderen Themen, auch politischen Themen bezieht. Wer soll das sonst machen? Ich finde schon toll, dass ihr nicht nur Strom macht, sondern auch versucht, den Kunden einen Mehrwert zu bieten – zeigt, was es überall für Möglichkeiten gibt. Kunden aufschlauen, das finde ich gut.

Greenpeace Energy: Danke schön, das freut uns sehr. Lieber Jan, vielen Dank für das Gespräch.