Mitstreiter, Partner & Kunden

„So wie es jetzt läuft, wird es nicht weitergehen. Die Gewinnmaximierung wird aufhören – muss aufhören.“

Frank Kestennus

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Frank Kestennus, Inhaber von Green Hell Records. Musikfan, hat sein Hobby zum Beruf gemacht, ist seit 30 Jahren Veganer und überzeugter Secondhandkäufer.


Greenpeace Energy: Lieber Frank, wieso Green Hell Records? Green wegen ökologisch?

Frank: Der Name hat damit nichts zu tun. Unsere Einstellung und die Einstellung der Bands aus den Anfangstagen durchaus schon. Wir haben uns in Genres bewegt, die Vorreiter des ökologischen Denkens waren – das war die Anfangszeit des Veganismus, der bekannter wurde damals in Deutschland. Und von daher gab es da definitiv Berührungspunkte.

Greenpeace Energy: Aber mit Greenpeace Energy hatte das nichts zu tun?

Frank: Die Kooperation mit Greenpeace Energy kam tatsächlich erst durch einen Kunden von uns. Er hat mich angesprochen: „Du lebst die ganze Zeit vegan und hast immer noch diesen konservativen Strom von den Stadtwerken.“ Das war für mich schon fast ein bisschen beschämend, weil ich im Prinzip über die Stromproblematik nicht weiter nachgedacht hatte. Aber dann war klar: Ja sicher wechseln wir jetzt. Und dann war es ganz einfach.

Greenpeace Energy: Was macht ihr sonst in dieser Richtung?

Frank: Also wir haben keinen missionarischen Ansatz. Wir vermarkten Bands, die sagen: „Veganer sind scheiße, und macht doch, was ihr wollt …“ Aber eben auch andersrum: Bands, die sagen: „Leute, jetzt kriegt mal den Arsch hoch, verändert euch.“ Da selektieren wir nicht, wir würden allerdings kein ADAC-Motorwelt-T-Shirt anbieten. Eher Anarchie-Bicycle-Shirts. (lacht)

Greenpeace Energy: Und du persönlich?

Frank: Ich lebe seit ungefähr 30 Jahren vegan. Habe eine BahnCard, Ökostrom von Greenpeace Energy, versuche, möglichst secondhand zu kaufen und möglichst wenig zu konsumieren.

Greenpeace Energy: Ist das für dich Nachhaltigkeit?

Frank: Also für mich sage ich: Motzt nicht über die Großkonzerne, ändert euren Lebensstil. Fahrt nicht dreimal im Jahr in den Urlaub. Fliegt nicht. Lebt vegan. Und dann wird sich was ändern. Wettern über Großkonzerne und Politiker ist sehr einfach. Aber wenn die Masse sich umstellt, erhöht sie den Druck auf die Politiker, auf die Wirtschaft – das muss eigentlich der Weg sein. Dass Politiker oder die Großkonzerne sich von allein ändern, ist schwer.

Greenpeace Energy: Wenn du jetzt für einen Tag Bestimmer in Deutschland wärst, was würdest du tun?

Frank: (lacht) Das wäre ziemlich radikal. Da würde ich wahrscheinlich als Ökofaschist verschrien werden. Von daher bringen Verbote im Endeffekt nichts. Das ist völliger Quatsch, völlig falsche Politik. Ich muss in ein Fußballstadion gehen können und dann die Alternative haben zwischen einer Sojabratwurst und einer normalen Bratwurst. Es muss einfach sein. Was ist auf den vielen Festivals, wo ich war, am letzten Tag ausverkauft? Die vegetarischen Gerichte, die veganen Gerichte. So wie es jetzt läuft, wird es nicht weitergehen. Die Gewinnmaximierung wird aufhören – muss aufhören. Und das ist ein Prozess, der wahrscheinlich schneller voranschreiten wird, als man es sich vorstellen kann. Aber ich bin schon zuversichtlich, dass es in den nächsten Jahren drastische Veränderungen geben wird.

Greenpeace Energy: Ist das auch ein Verdienst von Fridays for Future?

Frank: Erst mal finde ich es super, was sie machen. Das ist wirklich ein Weg, die Gesellschaft aufzurütteln. Aber ich würde ihnen auch raten, sich Gedanken darüber zu machen, wofür sie da auf die Straße gehen. Welche Bedeutung das für sie persönlich hat. Das heißt nämlich, sie müssen ihren Thailandurlaub streichen. Nicht 100 Euro für Schminke ausgeben. Weniger Luxus und einfach ihr Konsumverhalten, ihren ganzen Lebensstil runterfahren. Ihr Leben wird dadurch nicht einfacher.

Greenpeace Energy: Meinst du denn, dass Verzichten wirklich so schlimm ist?

Frank: Nein, für mich nicht. Ich finde es zu Hause schön. Aber vielleicht steckt das Reisen in den Menschen – ich war früher auch in Indien und Thailand. Man muss den Menschen vermitteln: Was wir über Jahrzehnte gelebt haben, war nicht richtig. Das war falsch. Und unsere Jugendlichen und Länder wie China etc., die jetzt das machen, was wir vor 30, 40, 50 Jahren angefangen haben, die müssen wir bitten, aus unseren Fehlern zu lernen. Man kann nur hoffen, dass sie schlauer sind.

Greenpeace Energy: Aber was ist dann in zehn Jahren? Bekommt man so einen Umschwung im Denken, im Bewusstsein in so kurzer Zeit hin?

Frank: Fridays for Future hat mir Hoffnung gegeben. Die neue Reisestatistik aus China nicht. Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass wir in den europäischen Ländern sicherlich einen ökologischen Umschwung haben werden. Weltweit muss die Welt, glaube ich, durchhalten, da wird es noch ein bisschen dauern. Aber wie gesagt, es gibt Hoffnungsschimmer.

Greenpeace Energy: Lieber Frank, danke dir sehr für das Gespräch.