Mitstreiter, Partner & Kunden

„Schaltet endlich den Kopf ein und geht auch mal unbequeme Wege.“

Albert Mages

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Albert Mages, eigentlich Programmierer. Uneigentlich unermüdlicher, friedliebender Umweltschützer und Segler. Seit den Anfängen von Greenpeace Energy mit dabei: als Kunde, Genossenschaftsmitglied, Vertreter der Genossenschaftsmitglieder. Und als selbstloser Energiewendevorantreiber.


Greenpeace Energy: Lieber Albert, warum tust du, was du tust?

Albert: Ich kann gar nicht anders. Das persönliche Interesse an einer friedlichen Lebensweise steckt in mir drin. Meine Frau bezeichnet mich als altruistische Persönlichkeit.

Greenpeace Energy: Was war der Auslöser?

Albert: Bewusst wurde mir, dass wir etwas tun müssen, mit den Anfängen von Greenpeace 1971. Als man mit dem alten Segler „Phyllis Cormack“ gegen die Atomtests der USA in Alaska demonstrierte. Und als 1980 die Dünnsäureverklappung publik wurde, wurde ich aktiver.

Greenpeace Energy: Was treibt dich an?

Albert: Die gefühlte Ungerechtigkeit in der Welt und die Sorge um die Umweltsituation, die Nachrichten aus Politik und Wirtschaft.

Greenpeace Energy: Gibt es etwas, auf das du stolz bist? Oder auch nicht stolz?

Albert: Keine Ahnung. Ich freue mich über mein Brennstoffzellenmodell, das ich zur Energiemesse in Böblingen gebaut habe, kurz nachdem Greenpeace Energy angekündigt hatte, in die Wasserstofftechnik einzusteigen. Vielleicht bin ich auch ein bisschen stolz darauf, zur Gründung des Arbeitskreises Gentechnik-Freies Metzingen/Ermstal mit beigetragen zu haben. Nicht stolz? Ich weiß zu wenig, kann zu wenig bewirken …

Greenpeace Energy: Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich? Ist das immer nur der große Wurf?

Albert: Nachhaltigkeit ist ein viel zu viel benutztes Schlagwort. Für mich bedeutet es, sozial und umweltverträglich zu handeln. Und nicht wie in der auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaft immer mehr auf Kosten anderer und der Umwelt zu leben. Aus meiner Sicht gibt es „den großen Wurf“ da nicht. Vielleicht würde die Umwelt entlastet, wenn man die Werbung abschaffen würde, um den Konsum einzudämmen. Und sich jeder mehr für den anderen einsetzen würde.

Greenpeace Energy: Was ärgert dich momentan am meisten?

Albert: Politiker, die sich im Klein-Klein ergehen, um ja nicht die Wirtschaft zu schädigen. Konzerne, die ständig mit Arbeitsplatzverlust oder -verlagerung drohen, um geringere Umweltauflagen zu bekommen und sich nicht an den tatsächlich anfallenden Energiekosten beteiligen zu müssen.   

Greenpeace Energy: Wenn du Regierungschef wärst, was würdest du als Erstes tun?

Albert: Ich würde versuchen, Europa auf eine gemeinsame Finanz- und Rechtslage zu stellen, um eine vielfältige Welt mit einheitlichen sozialen und umweltgerechten Regeln zu erreichen. Sicherlich wäre auch viel geholfen mit einer allgemeinen Erhöhung der Steuern und der Abschaffung von Vergünstigungen für Energieträger (zum Beispiel Kerosin, Diesel) sowie der Anpassung ihrer Preise an ihre Umweltschädigung.

Greenpeace Energy: Glaubst du, dass wir das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen?

Albert: Unter den aktuellen Umständen nicht!

Greenpeace Energy: Was wird deiner Meinung nach die größte Herausforderung für die Zukunft sein?

Albert: Das Schwierigste wird sein, Kriege zu verhindern und friedlich die Energiewende zu meistern.

Greenpeace Energy: Gibt es etwas, das du den Fridays-for-Future-Jugendlichen raten würdest?

Albert: Ja – macht weiter so, aber vergesst eure persönliche Bildung nicht. Anhand der Diskussionen, die es jetzt rund um Umweltfreundlichkeit und Energiewende gibt, zeigt sich, dass die FFF-Jugendlichen den Kern getroffen haben. Mich freut es, dass viele meiner Gedanken sich dort wiederfinden. Bei eigenen Briefen an Politiker bin ich bisher eher auf wohlwollendes „Alles schön und gut, aber weiter wie bisher“ gestoßen.

Greenpeace Energy: Okay, was würdest du den etablierten Politikern jetzt mit auf den Weg geben?

Albert: Schaltet endlich den Kopf ein, und geht auch mal unbequeme Wege. Folgt nicht nur den Wirtschaftslobbyisten.

Greenpeace Energy: Was glaubst du, wo werden wir mit dem Klimaschutz in zehn oder 20 Jahren stehen?

Albert: Wenn ich ehrlich bin: Ich glaube nicht, dass wir das notwendige Ziel erreichen werden. Der Klimawandel ist längst im Gange, die Permafrostböden tauen langsam auf – insofern wird es eine glückliche rechtzeitige Wende wie beim Ozonloch wohl nicht geben.

Greenpeace Energy: Wie wichtig ist Greenpeace Energy heute? Für dich persönlich? Für die Energiewende in Deutschland?

Albert: Das ist eine Herzensangelegenheit für mich. Für die Energiewende selbst ist Greenpeace Energy nur ein Tropfen auf den heißen Stein: gerade genug, um zu zeigen, dass Technologien funktionieren können. Aber als politischer Signalgeber ist Greenpeace Energy meine große Hoffnung – die Beratung in Energiefragen unter dem Aspekt des Umweltschutzes ist enorm wichtig.

Greenpeace Energy: Lieber Albert, wir danken dir für deine Zeit.