Mitstreiter, Partner & Kunden

„Wenn wir bezahlbaren nachhaltigen Konsum alltäglich machen, dann ist eine ganz große Herausforderung gemeistert.“

fairTEILBAR Münster

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zum Team

Susanne Kemper, Claudia Thermann, Janis Matheja, Jana Bölter, Lea Radtke – das Team der fairTEiLBAR aus Münster. Ein Laden inklusive Bistro und Projektküche, der gerettete Lebensmittel verkauft und weiterverarbeitet – zum Zahl-was-es-dir-wert-ist-Preis. Und jede Menge Bildung rund um nachhaltige Ernährung anbietet.


Greenpeace Energy: Liebe fairTEiLBARs – warum macht ihr das?

fairTEiLBARs: Unsere Motivation? Eindeutig „walk the talk“! Wir haben uns entschlossen, etwas Konkretes zu tun und nicht zu warten, bis die politischen Rahmenbedingungen genau für uns passen. Wir wollen anfassbaren Umweltschutz leisten, indem wir Lebensmittel in großen Dimensionen retten und in der fairTEiLBAR allen zur Verfügung stellen. Damit auch alle Teil der Lösung werden können: Einkäufer, jemand, der im Bistro probiert, Teilnehmer an unseren Workshops ...
Wenn man sich intensiver mit der Lebensmittelverschwendung beschäftigt und die immens großen Mengen mal konkret vor Augen hatte – dann motiviert das ungemein, etwas zu verändern! Das Gefühl wollen wir auch bei anderen wecken. 

Greenpeace Energy: Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch? Ist das immer nur der große Wurf?

fairTEiLBARs: Für uns heißt das, gemeinsam an einem komplexen Problem zu arbeiten und Vorbild zu sein. Dabei schließen wir natürlich unsere Kunden und Kundinnen, die Kooperationspartner und die Unterstützer und Unterstützerinnen mit ein. Es braucht eben nicht nur ein paar Trends oder ein paar Leute, die medienwirksam perfekt Nachhaltigkeit inszenieren. Es braucht Millionen Menschen, die bereit sind, auch mit kleinen Schritten – ihr Leben und ihr Konsumverhalten nachhaltiger zu gestalten. Dann haben wir eine Chance, den Sustainable Development Goals näher zu kommen – sogar weltweit.

Greenpeace Energy: Auch dem 1,5-Grad-Ziel?

fairTEiLBARs: Schwierige Frage! Der Lobbyismus ist in den letzten Jahren sehr stark und gefährlich geworden. Unternehmen agieren nach Shareholder-Value, Produkte oder Dienstleistungen sollen Gewinne abwerfen – und nicht einen besseren ökologischen Fußabdruck bekommen. Also werden die Kosten der Umweltverschmutzung nicht so in die Produktion einkalkuliert, wie es eigentlich schon seit 20-30 Jahren sein müsste!

Auch politische Entscheidungen sind schwer zu durchblicken. Wir Menschen neigen dazu, in unserer Verunsicherung auf einfache Lösungen zu setzen. Wenn überhaupt, wird es also nur über die Kraft der Konsumenten gehen. Und hier muss man eben alle Menschen mitnehmen – alle einladen, etwas dazu beizutragen. Wir hoffen aber auch, dass die Wissenschaftler, die seit Jahren die Klimakrise anmahnen, mehr Einfluss bekommen. Und dass die Jugendlichen, die mit Fridays for Future einen Weg gefunden haben, ihre Zukunftsängste weltweit deutlich auszudrücken – dass sie mehr bewirken können.

Greenpeace Energy: Was ist eurer Meinung nach die größte Herausforderung dabei?

fairTEiLBARs: Unser Wirtschaftssystem. Wir können es nicht abschaffen, müssen es aber zukunftsfähiger gestalten. Die Konzerne müssen umdenken. Das werden sie nur, wenn sie eine „neue Kraft“ beim Konsum erfahren. Also: Wenn keiner mehr Erdbeeren im Januar kauft, gibt es keine Erdbeeren im Januar mehr, weil sich damit kein Geld verdienen lässt. Das heißt, wenn wir Lösungen für alle haben, um öfter mal das Auto stehen zu lassen, öfter mal verpackungsfrei einzukaufen, weniger Produkte aus Massentierhaltung zu konsumieren usw. Wenn wir bezahlbaren nachhaltigen Konsum alltäglich machen, dann ist eine ganz große Herausforderung gemeistert.

Greenpeace Energy: Und dann braucht man Greenpeace Energy in 20 Jahren nicht mehr?

fairTEiLBARs: Doch! Unbedingt! Greenpeace Energy ist und muss ein Vorbild für andere Versorgungsunternehmen bleiben. Als Benchmark, um zu zeigen, wie man wirklich sauberen Ökostrom bezahlbar anbieten kann: ein differenziertes Angebot aus verschiedenen Ökoenergiequellen. Förderung bzw. Ausbau alternativer sauberer Energiequellen. Und das zu fairen Preisen.

Greenpeace Energy: Liebes Team der fairTEiLBAR, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.