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„Es macht keinen Sinn aufzugeben, wir müssen weitermachen, unseren Kindern zu liebe.“

Markus Mauthe

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Markus Mauthe, Naturfotograf. Umweltaktivist. Begeisternder Geschichtenerzähler. langjähriger Kunde und Kooperationspartner von Greenpeace Energy. Lebt in Deutschland und Brasilien. Hält im Jahr bis zu 120 Vorträge über Natur und Naturschutz, die meisten davon zusammen mit Greenpeace. Und versteht sich als Zeitzeuge der Umweltzerstörung.


Greenpeace Energy: Lieber Markus, wie hast du es geschafft, Beruf, Leidenschaft und Engagement so miteinander zu verbinden?

Markus: Es war ein bisschen Glück, weil ich zur rechten Zeit am rechten Ort aufgewachsen bin. In den 70ern in Süddeutschland, wo das alles möglich war. Und ich hatte ein Elternhaus, das mich unterstützt hat. Nach der Ausbildung zum Fotografen und durchs Reisen habe ich sehr schnell gemerkt, dass da was zusammengehen könnte. Wenn man einmal Gletscher und Regenwälder fotografiert hat, dann will man nicht ins Fotostudio, dann will man Reisegeschichten erzählen.

Greenpeace Energy: Und die Zusammenarbeit mit Greenpeace?

Markus: Ich bin zwangsläufig dort gelandet, weil ich sehr viel Schönes gesehen habe, aber eben auch sehr viel, wo der Mensch mit der Natur nicht gut umgeht. Das war dieses Gefühl, Zeitzeuge zu sein. Irgendwann dachte ich: Ich muss auch die Wahrheit erzählen – indem ich diese Reisegeschichten nicht mehr touristisch aufbaue, sondern ökologisch. Ich habe dann Greenpeace meine Idee erzählt und schließlich den Auftrag bekommen, im Kongobecken Bilder zu machen. Also, das war schon ein Sprung ins kalte Wasser, das war mein schwierigstes Projekt. Aber daraus ist dann nach und nach entstanden, dass ich fast acht oder neun Jahre für Greenpeace Vorträge über alle Waldregionen gehalten habe.

Greenpeace Energy: Wie funktioniert das – schöne Natur zeigen und gleichzeitig Umweltzerstörung?

Markus: Mein Ziel ist es, die Leute dafür zu begeistern, wie schön die Natur ist, wie schützenswert. Und wie gefährdet sie ist. Das geht über die Fotografie, die sehr viele Emotionen weckt. Andererseits habe ich die Musik- und die Sprachebene, in der ich deutlich von der Realität erzähle. In den letzten Jahren fällt mir es immer schwerer, nur noch mit schönen Bildern zu arbeiten, weil sich die Lage dramatisch zuspitzt: Wir sind mitten in der Klimakatastrophe, alles gerät aus den Fugen, und die Menschheit tut zu wenig. Aber es macht keinen Sinn aufzugeben, wir müssen weitermachen, unseren Kindern zuliebe.

Greenpeace Energy: Stell dir vor, du könntest eine wichtige Entscheidung durchsetzen. Welche wäre das?

Markus: Ganz oben steht für mich, dass wir von Öl, Gas und Kohle wegkommen – und zwar global. Direkt gefolgt von der Agrarwende: Wir müssen unsere Lebensmittel auf eine Art und Weise produzieren, die sich nicht immer weiter in unsere Wälder und Savannen reinfrisst. Aber das geht alles nur, wenn wir parallel unser System insgesamt verändern – weg von diesem unsäglichen Wachstumsgedanken. Wir brauchen also Visionen. Wir brauchen Ideen, wie zum Beispiel die Gemeinwohl-Ökonomie. Und wir müssen den Mut haben, sie auszusprechen. Genau das gefällt mir an der Fridays-for-Future-Bewegung: Die sind ideologisch noch nicht verkrustet. Die sagen noch frei, was sie denken und die denken, genau das Richtige.

Der Satz „Ich möchte, dass ihr in Panik geratet" von Greta Thunberg – das hat mir so aus der Seele gesprochen, weil es nämlich genau das ist, was ich jetzt seit Jahren jeden Tag fühle. Dass wir in unserer Lethargie und Ignoranz und all dem, was wir nicht tun, praktisch so weit weg von dem sind, was getan werden müsste. Leute, wir müssen in Panik geraten!! Nicht dass Angst ein guter Ratgeber ist, aber das beschreibt für mich die Lage einfach perfekt.

Greenpeace Energy: Und was machen wir damit?

Markus: Es darf nicht bei kosmetischen Eingriffen bleiben, es ist notwendig, diese Gesellschaft nachhaltig zu machen. Wenn ich wüsste, wie das klappen kann gegen all diese Widerstände, dann wäre ich vielleicht doch in die Politik gegangen (lacht).

Greenpeace Energy: Ist das die größte Herausforderung, die wir haben?

Markus: Nicht nur für heute – für mich ist dieser Umbau in die Nachhaltigkeit die größte Aufgabe seit Anbeginn der Menschheit. Und es gibt leider auch Indikatoren, die zeigen, dass wir vielleicht verlieren. Die Welt ist schon kaputt. Aber klar ist, wenn jetzt nichts passiert, werden wir trotzdem weitermachen müssen, weil unsere Kinder auch in einer um drei oder vier Grad erwärmten Welt leben werden. Und das heißt, wir müssen auch gucken, dass man die Botschaft der Liebe und der Menschlichkeit verbreitet – nicht den Hass. Weil dann eben nicht nur eine Million Flüchtlinge vor der Tür steht, sondern 100 Millionen oder mehr, denn dann sind nur noch kleine Teile der Welt bewohnbar. Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben, auch wenn es manchmal schwerfällt.

Greenpeace Energy: Ganz herzlichen Dank für das Gespräch.