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„Es fehlt an mutigen Entscheidungen.“

Ariane August

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Ariane August, Referentin für Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy im Berliner Büro. Hat den politischen Betrieb bei den Grünen in Berlin und Brüssel kennengelernt, mit einem Zwischenstopp bei einer internationalen PR-Beratung. Und betrachtet sich und ihre Kolleginnen und Kollegen als eine Art Watchdog, der die Bundesregierung im Auge behält, wenn es um Energiepolitik geht.


Greenpeace Energy: Liebe Ariane, woher kommt deine Motivation?

Ariane: Meine Eltern legten sicherlich Wert darauf, uns schon früh für Themen wie Ökologie und Umweltschutz zu sensibilisieren, aber auch zu begeistern, und so habe ich das ein Stück weit in meiner DNA, wenn man so will. Es ist super, dass ich mich heute auch beruflich für nachhaltige Themenbereiche einsetzen kann.

Greenpeace Energy: Also nicht nur ein reiner Job?

Ariane: Genau. Es ist auf jeden Fall auch eine Herzblutsache.

Greenpeace Energy: Du sagtest, du seist damit aufgewachsen, das Grün sei in deiner DNA?

Ariane: Ich bin im Nordschwarzwald aufgewachsen, doch auch da war schon vor 30 Jahren der autofreie Sonntag ein gesellschaftspolitisches Thema. Meine Mutter war Demeter-Obst-Verfechterin, und wir durften nicht fünf Orangen auf einmal essen, weil die eben viermal so viel gekostet haben. Für mich ist es somit auch heute noch ein Stück Lebensqualität, drauf zu achten, wie man lebt und was man letztlich konsumiert. Wo wird das produziert? Unter welchen Bedingungen? Einfach diese Aspekte ganzheitlich zu betrachten.

Greenpeace Energy: Bedeutet das für dich Nachhaltigkeit?

Ariane: Nachhaltigkeit ist mittlerweile ein etwas inflationärer Begriff. Nichtsdestotrotz sollten vor allem politische Themen wie Klimaschutz und Energiewende viel mutiger und für meinen Geschmack auch etwas radikaler angegangen werden: Rahmenbedingungen müssen so gesetzt werden, dass ein bestimmtes, zum Beispiel klimafreundliches Verhalten wahrscheinlicher wird. Ich kann zum Beispiel nicht nachvollziehen, warum ein Bahnticket von Berlin nach München heute nach wie vor teurer sein muss als ein Inlandsflug und warum jemand, der einigermaßen organisiert ist, sich für das Flugzeug im Inland entscheidet. Das heißt, wir brauchen Preise, die auch die ökologische Wahrheit sprechen.

Greenpeace Energy: Du warst gerade beim mutigeren Angang der Politiker. Wenn du jetzt Deutschlands Energieministerin wärest, was würdest du tun?

Ariane: Das ist eine schwierige Frage. Doch ich würde dafür kämpfen wollen, dass Deutschland seine 2020-Klimaziele erreicht. Denn wenn nicht umgesteuert wird, verfehlen wir diese, und auch die 2030er-Ziele sind akut in Gefahr. Wenn Deutschland sich in Brüssel dafür einsetzt, dass Europa bis 2050 CO2-neutral werden will, dann muss man auch zeigen, wie das geht, und mit gutem Beispiel vorangehen. Zum Beispiel indem man in einem ersten Schritt national für CO2 -Emissionen einen angemessenen Preis festsetzt.

Greenpeace Energy: Was ist mit dem 1,5-Grad-Ziel – erreichen wir das noch?

Ariane: Ich bin von Grund auf Realistin mit Hang zum Optimismus. Wenn man also sofort entsprechende Maßnahmen einleiten würde, dann bestünde vielleicht noch eine Chance – die müssten dann aber recht schnell kommen. So wie es jetzt gerade aussieht, schaffen wir es eher nicht.

Greenpeace Energy: Warum, was ist die größte Hürde?

Ariane: Ich glaube, es fehlt an mutigen Entscheidungen und an einer Bundesregierung, die sich klar zu den Themen Klimaschutz und Energiewende bekennt, ohne dabei auf Scheindebatten auszuweichen. In der Klimapolitik wurde Deutschland vom Vorreiter zum Nachzügler. Das ist fatal, und wir sollten wieder als Visionär vorangehen. Aus meiner Perspektive müssen es die Industrieländer sein, die vorangehen, und dazu gehört auch Deutschland. Allein die konventionelle Energiebranche ist eine der schmutzigsten Industrien und trägt wesentlich zur Klimakrise bei – es gibt daher eine Menge Handlungsbedarf. So wie es Fridays for Future und Greta Thunberg zu Recht auch einfordern.

Greenpeace Energy: Was kann man von diesen Jugendlichen lernen?

Ariane: Bestimmt ein Stück weit Courage, für das einzustehen, von dem man überzeugt ist. Sich hinzustellen, zu sagen: „Hey, wir erwarten, dass die Weichen zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels gestellt werden und Klimaschutz aktiv betrieben wird!“

Greenpeace Energy: Was bedeutet das für die nächsten zehn Jahre?

Ariane: Europa muss vor allem beim Ausbau der erneuerbaren Energien vorankommen – sie sind die Zukunft und der Schlüssel für eine klimafreundliche, sichere und preiswerte Energieversorgung für uns alle. Zudem brauchen wir politische Rahmenbedingungen, die für die Energiewende dienliche Technologien entsprechend fördern. Ich wünsche mir auch, dass Deutschland vor allem beim Thema Windausbau an Land wieder offener und mutiger wird. Denn entgegen der Auffassung vieler Konservativer ist doch klar, dass eine erfolgreiche Energiewende ohne Windräder an Land kaum gelingen kann.

Greenpeace Energy: Ein ordentlicher Appell .... Liebe Ariane, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.