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„Ich würde sämtliche Gas- und Ölheizungen verbieten. “

Julia Heuermann

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Julia Heuermann, 30, Projektingenieurin bei Planet energy, einer Tochterfirma von Greenpeace Energy, im Bereich Wärme und Quartiere. Das heißt, sie entwickelt mit ihren Kolleginnen und Kollegen Konzepte für die Wärmeversorgung von Wohngebieten auf Basis von erneuerbaren Energien.


Greenpeace Energy: Liebe Julia, das klingt nach einer ungewöhnlichen Aufgabe – wie bist du dazu gekommen?

Julia: Ich habe Maschinenbau studiert, war anschließend in einem Ingenieurbüro und habe in der Planung gearbeitet, unter anderem für die technische Ausstattung von Gebäuden. Mir war da schon klar: Ich will einen Job haben, mit dem ich mich auch identifizieren kann, der einen guten Impact hat. Das klingt pathetisch, aber ich finde es wichtig, dass Arbeit auch zu einem besseren großen Ganzen beiträgt.

Greenpeace Energy: Warum? Und warum Greenpeace Energy?

Julia: Ich finde einerseits den Gedanken toll, dass das eine Genossenschaft ist, an der ich mich selbst beteiligen kann. Wo ich keine Zweifel habe, dass es sinnvoll ist, was ich mache. Außerdem will ich nicht in einem Riesenkonzern ein kleines Rädchen sein, das vielleicht eine neue Schraube konstruiert, aber für das große Ganze nicht so entscheidend ist.

Greenpeace Energy: Also willst du auch was bewirken können?

Julia: Ja, genau.

Greenpeace Energy: Ist das auch Nachhaltigkeit für dich?

Julia: Nachhaltigkeit heißt ja, die langfristigen Auswirkungen meines Handelns zu bedenken. Das versuche ich im Privaten, aber auch bei größeren Entscheidungen: Ist das gerade sinnvoll für das System, in dem ich mich bewege? Nachhaltigkeit ist ein total blödes Wort. Ich würde fast sagen, dass alles, wo nachhaltig draufsteht, nicht nachhaltig ist. Ich finde, jeder sollte gucken, was er in seinem Umfeld anders machen kann, um da was zu bewegen. Weil dann daraus eben auch die große Masse entsteht, die was verändert.

Greenpeace Energy: Mit Verzichten? Auf Fliegen, auf Fleisch usw.?

Julia: Nein, eigentlich geht es nicht um Verzicht. Ich finde, es geht um Zeit: Manchmal brauche ich mehr Zeit, um nachhaltig zu handeln. Wenn ich zum Beispiel mit dem Fahrrad fahre oder mit der Bahn in den Urlaub reise. Oder weil ich mir Zeit nehme zu kochen und keine Fertigprodukte esse. Also ist Nachhaltigkeit eigentlich kein Verzicht, sondern ein Gewinn, wenn man mehr Dinge auch selbst macht oder in Ruhe genießen kann.

Greenpeace Energy: Was ärgert dich am meisten?

Julia: Dass es so lange gedauert hat, bis solche Themen wie der Klimawandel in der breiten Bevölkerung angekommen sind. Vor zehn oder 20 Jahren – ich war noch zu klein, als Greenpeace Energy gegründet wurde ¬–, aber da war das auch alles schon ein Thema. Es war mir und auch meinem Umfeld irgendwie immer klar. Aber dass es so öffentlich wird, das fängt ja jetzt erst an.

Greenpeace Energy: Stell dir vor, du könntest jetzt per Verordnung etwas verändern – was würdest du tun?

Julia: Ich würde sämtliche Gas- und Ölheizungen verbieten. So wie das Dänemark gemacht hat, die dadurch einen enormen Anteil an erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung haben. Einfach weil es verordnet wurde. In Deutschland brauchen solche Gesetze ewig, und alle würden sich aufregen, dass man ja Dinge nicht so einschränken darf usw.. Ich fände es aber sehr praktisch und konkret richtig.

Greenpeace Energy: Glaubst du, wir können das 1,5-Grad-Ziel noch schaffen?

Julia: Ich möchte Ja sagen, aber ich halte es auch für ganz schwierig. In der Stromwende sind wir ja schon ganz vorne dabei. Aber wenn man sich die anderen Energieverbräuche anschaut – Verkehr oder Wärmeversorgung, ganz zu schweigen von der Industrie –, dann glaube ich, dass wir in zehn Jahren noch nicht so weit sind. Aber hoffentlich auf dem Weg.

Greenpeace Energy: Braucht man Greenpeace Energy in 20 Jahren noch?

Julia: Ja! Vielleicht in einer anderen Form. Wir sind zwar jetzt auch schon Energieversorger, aber hauptsächlich als Lieferant von Strom und Gas. Vielleicht wird sich das immer mehr wandeln zum ganzheitlichen Energieversorger, der auch Wärme und Mobilität mit abdeckt. Also nicht nur die Strommittel zur Verfügung stellt, sondern ganze Bedürfnisse erfüllt, wie zum Beispiel ein warmes Haus oder möglichst umweltfreundlich von A nach B kommen.

Greenpeace Energy: Das klingt nach einer guten Perspektive – liebe Julia, danke dir für deine Zeit.