Mitstreiter, Partner & Kunden

„Es macht einfach viel mehr Spaß, Teil der Lösung zu sein.“

Friederike Knust

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Friederike Knust, 29, Wirtschaftsingenieurin. Netzwerkerin und seit vier Jahren Referentin für Energiewirtschaft bei Greenpeace Energy. Sie bezeichnet sich und ihre Kollegen ein wenig spöttisch als „Menschen, die auf Excel starren“ – die letztlich aber dafür sorgen, dass die nötigen Ökostrom- und Gasmengen für die Kunden bereitgestellt und geliefert werden können.


Greenpeace Energy: Liebe Friederike, warum tust du, was du tust?

Friederike: Das passt einfach zu mir. Ich hatte überlegt, dass ich etwas studieren wollte, was die Welt ein Stückchen besser macht. Ich bin ganz gut mit Zahlen, wollte aber nicht BWL studieren und ins Controlling gehen. Also wurde es Energie- und Umweltmanagement.

Greenpeace Energy: Aber warum die Welt etwas besser machen?

Friederike: Ich bin ein Dorfkind, naturverbunden aufgewachsen. Ich finds einfach unnütz, wenn man einen Beruf anstrebt, der nur einem selbst mehr Geld bringt. Das ist ein ganz tiefer Wert in mir drin.

Greenpeace Energy: Also Geld ist keine Motivation – reicht das auch ins Private hinein?

Friederike: Sicher. Ich bin ganz aktiv im Alumni-Netzwerk meines Studiengangs, organisiere einmal im Jahr eine Energiewendekonferenz. Jetzt mache ich noch ein anderes Projekt mit einem bunten Haufen von coolen Leuten aus Hamburg, die aus der Start-up-Szene kommen: monatliche Meetups zu allem rund um Nachhaltigkeit. Das sind so viele Sachen. Du denkst nicht nur über Verkehrswende nach und vergisst dabei das Thema Energie. Es ist superspannend, dass Nachhaltigkeit in alle Bereiche geht, da ist für jeden was dabei, das einen anfixen kann. Viele kleine Lösungen, die uns alle nicht einschränken in unserem Leben.

Greenpeace Energy: Dann ist Nachhaltigkeit kein Verzicht?

Friederike: Genau. Die Lösungen sind ja da. Aufzeigen und einfach vorleben, ohne den Zeigefinger zu erheben. Ohne das ewige „Du musst, du musst“. Sondern einfach: Kuck mal, ich hab ’nen Leinenbeutel dabei, kannst du haben. Es macht doch viel mehr Spaß, Teil der Lösung zu sein.

Greenpeace Energy: Stell dir vor, du könntest eine wichtige Entscheidung durchsetzen. Welche wäre das?

Friederike: Es wäre mir ganz wichtig, dass es nicht mit Verboten geht. Es müssten einfach alle Lösungen, die es schon gibt, noch attraktiver werden. Damit die Leute bewusst die Entscheidung treffen: Busfahren ist besser. Fahrradfahren ist noch besser. Man muss ja keine Autos verbieten, aber wenn es keine Parkplätze mehr gibt (lacht) ... Sodass es ganz normal ist, weil die nachhaltigere Option immer die einfachere ist.

Greenpeace Energy: Glaubst du denn, dass wir das 1,5-Grad-Ziel mit der Energiewende hinbekommen?

Friederike: Ich hoffe es sehr. Und ich arbeite daran.

Greenpeace Energy: Kannst du dir vorstellen, wie der Klimaschutz in zehn Jahren aussieht?

Friederike: Ich glaube, wir haben dann nicht ein Klimaschutzgesetz, sondern jedes Gesetz macht auch Klimaschutz. Nachhaltigkeit ist so umfassend, dass man das in allen Ressorts mitdenken muss. Auch Finanzen. Das wäre meine Utopie.

Greenpeace Energy: Wie wichtig ist Greenpeace Energy für die Energiewende?

Friederike: Ich finde uns ziemlich speziell (lacht), nein, einzigartig. Weil wir oft schon zeigen, wie ein Weg aussehen kann. Auch wenn oft die Welt da draußen für die Energiewende noch nicht bereit ist. Und das ist, glaube ich, wichtig. Aber wir zeigen: „Hier gibt es eine Lösung, könnt ihr bitte den regulatorischen Rahmen so bauen, dass wir das auch wirklich machen können?“ Damit es auch andere tun können. Wir beanspruchen Technik und Prozesse ja nicht nur für uns.

Greenpeace Energy: Heißt das, ein echter Ökostromanbieter wie Greenpeace Energy muss auch ein politischer Akteur sein?

Friederike: Muss? Ja. Man kann ein Ökostromanbieter sein. Oder du kannst ein Energiewende-Enabler sein. Und dann ist Ökostromvertrieb ein Mittel, um die Energiewende zu erreichen. Dann musst du politisch sein.

Greenpeace Energy: Eine ganz einfache Frage: Macht es Spaß bei uns?

Friederike: Schon (lacht). Es gibt ja auch solche und solche Tage. Das ist total gut, ein Teil von etwas Größerem zu sein, das einen Sinn hat.

Greenpeace Energy: Liebe Friederike, ganz herzlichen Dank für das Gespräch.