Mitstreiter, Partner & Kunden

„Wir müssen weg vom Konsum kommen.“

Christina Stakelbeck

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Christina Stakelbeck, ehemalige Regionalpartnerin und seit 2017 Mitarbeiterin im Regionalvertrieb von Greenpeace Energy. Mutter von Finn, einem quirligen Fridays-for-Future-Demonstranten. Kommt aus Süddeutschland, lebt in Köln und liebt definitiv ihren Job.


Greenpeace Energy: Liebe Christina, wie bist du bei Greenpeace Energy gelandet?

Christina: Tatsächlich durch einen kleinen Zufall: Ein Bekannter rief mich an und erzählte, dass hier Unterstützung gebraucht würde. Und da ich als Mama noch nicht wieder richtig in den Beruf eingestiegen war, passte das. Früher hatte ich eine Event-Marketing- und Promotion-Agentur, in der ich nicht gerade mit nachhaltigen Klienten Geld verdient habe. Aber durch die Schwangerschaft wird man ja allgemein etwas weicher und sucht mehr nach Sinnhaftigkeit in den Dingen. Welche Kleidung ziehe ich meinem Kind an? Wie ökologisch ist die? Wie gestalte ich das Leben um mein Kind rum, was bekommt es zu essen? Wie biologisch ist das? Tatsächlich sind das ganz viele Bereiche im Leben, die plötzlich einen anderen Sinn bekommen, deren Wert man vorher für sich nicht so gesehen hat. Damit fing das Ganze an.

Greenpeace Energy: Du hast ganz viel in deinem Leben verändert – was ärgert dich eigentlich am meisten am Drumherum?

Christina: Dass die Politik einfach nicht reagiert. Dass sie nicht endlich Entscheidungen trifft. Dass es immer noch kein genaues Datum für den Kohleausstieg gibt. Mich ärgern Subventionen, die nach wie vor in die Kohlekraft getätigt werden. Mich ärgert, dass der Flugverkehr subventioniert wird, dass Diesel nicht anständig besteuert wird. Das sind Dinge, da hätte ich gerne, dass sie endlich mal vorangehen.

Greenpeace Energy: Was würdest du als Allererstes ändern, wenn du es bestimmen könntest?

Christina: Ich würde ganz viel Arbeit in den Kohleausstieg stecken, in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Fördergelder frei machen für den energieeffizienten Wohnungsbau. Und ich würde durchsetzen, dass das Fach Ökologie in die Schulen kommt. In Bangladesch, in Indien, in Afrika gibt es Bildungssysteme, die Umweltschutz und Nachhaltigkeit mit einbauen. Ich meine, das sind die Länder, die unter uns zu leiden haben – dort wird das bereits gemacht. Und wir in den Industrieländern hauen alles mit vollen Händen raus, ohne … ohne uns Gedanken zu machen, weil wir es gewohnt sind.

Greenpeace Energy: Warum ist das so?

Christina: Das ist eine gewisse Ignoranz. Wenn ich mit anderen diese Themen bespreche, ist es unfassbar, wie wenig die Leute sich tatsächlich damit beschäftigen. Sie wissen eigentlich, was zu tun ist, aber sie verstehen noch nicht, wofür. Oder welchen kleinen Beitrag sie leisten können, der am Ende, wenn wir alle diesen kleinen Beitrag leisten, einen großen Schritt bedeutet. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass die Menschen da so bequem sind.

Greenpeace Energy: Dabei ist den Stromanbieter zu wechseln doch eine Kleinigkeit.

Christina: Ja, das ist Pillepalle. Ich glaube, es liegt tatsächlich an den letzten 70 Jahren, in denen unsere Eltern und wir groß geworden sind. Wir sind in die Industrialisierung reingewachsen, es war normal, immer mehr zu haben, mehr zu haben, mehr zu haben. Und das sind wir gewohnt, zumindest in vielen Teilen Europas.

Greenpeace Energy: Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit?

Christina: Weg von eben dieser Wegwerfgesellschaft. Wir müssen auf das achten, was wir konsumieren, und da ist der kleine Mann der Wegbereiter. Wenn er entscheidet, ich nutze den Kohlestrom nicht mehr, ich kaufe jetzt nur noch regional, nur nachhaltige und Fair-Trade-Klamotten – dann wird auch die Industrie nachziehen.

Greenpeace Energy: Glaubst du, mit diesem strategischen Konsum erreichen wir das 1,5-Grad-Ziel?

Christina: Da bin ich skeptisch, muss ich tatsächlich sagen. Man muss einfach immer wieder die Augen aufmachen und draufschauen, was wir kaputt machen. Und zwar immer wieder. Wir müssen weg vom Konsum kommen, das ist so.

Greenpeace Energy: Aber ohne Wachstum würden wir unser Ziel auch nicht erreichen …

Christina: Das ist richtig. Aber das Schöne an uns ist ja, dass wir als Genossenschaft nicht profitmaximierend sind. Das Geld, das, salopp gesagt, übrig ist, fließt in Studien, in die Forschung, in den Anlagenbau. Damit es weitergeht, damit eben diese Energiewende überhaupt stattfinden kann.

Greenpeace Energy: Und wie ist es sonst so bei uns?  

Christina: Ich find’s super (lacht). Ich find’s wirklich super. Zum einen kann ich aktiv bei der Energiewende mitarbeiten. Und ich komme aus allen Gesprächen, die ich führe, zufrieden raus. Die Leute sind fasziniert, und am Ende wird man angeschaut, und es heißt: „Danke. Danke für die Arbeit, danke für die Aufklärung und danke schön, dass es euch gibt.“ Ich bin extrem stolz darauf, ein Teil davon zu sein.

Greenpeace Energy: Lieben Dank, Christina für dieses Gespräch.