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„Der größere Teil von dem, was wir erreichen wollen, liegt noch vor uns. “

Sönke Tangermann

Aus der Serie: 20 Jahre, 20 Geschichten.

Zur Person

Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy, spätestens seit der Schulzeit von Energie, Windkraft und großen Rädern begeistert. Stolzer zweifacher Vater.


Greenpeace Energy: Lieber Sönke – warum machst du das?

Sönke: Weil es jemand tun muss. Punkt. Für mich waren erneuerbare Energien und Energiewende schon immer wichtig. Ich bin in den 80er-Jahren in die Schule gegangen, da war Umwelt ein großes Thema. Ich fand das sehr spannend. Eigentlich wollte ich in diesem Bereich arbeiten, seitdem ich nicht mehr Feuerwehrmann oder so was werden wollte.

Greenpeace Energy: Was treibt dich jeden Morgen an?

Sönke: Ein ganz attraktiver Aspekt ist, dass man für was arbeitet und merkt, man liegt nicht falsch. Man hat etwas angestoßen, natürlich mit vielen anderen, das zukunftsweisend ist, das wirklich auch visionär ist. Da entwickelt sich etwas in eine Richtung, die wir auch gut finden, für die wir auch arbeiten.
Die Demonstrationen im Hambacher Forst und dann Fridays for Future. Plötzlich steht diese angeblich zu unpolitische Jugend auf und sagt: „Entschuldigung mal! Unsere Zukunft wird hier gerade kaputt gemacht!“ Oder die Europawahl, wo die Grünen plötzlich ganz stark sind. Da entsteht was in der Gesellschaft.

Greenpeace Energy: Also grüner Bundeskanzler, grüne Bundeskanzlerin – und dann wird alles gut?

Sönke: Nee. Vielleicht besser. Aber ich würde nicht allzu viel Hoffnung da hineinsetzen. Es sind so viele Kräfte, die dort mitwirken – man kann nicht erwarten, nur weil wir einen grünen Bundeskanzler oder eine grüne Bundeskanzlerin hätten, dass die Energiewende dann schneller geht. Die Bevölkerung weist schon darauf hin, dass es so nicht weitergeht. Aber es ist natürlich auch mit dem einen oder anderen Nachteil verbunden, zumindest für einen gewissen Zeitraum, das darf man ja nicht vergessen. Es können Arbeitsplätze verloren gehen, aber es werden auch neue geschaffen. Das ist ein Strukturwandel, der in den Braunkohleregionen kommen muss. Was bedeutet, dass die alten Zöpfe abgeschnitten werden. Das macht natürlich keine Partei gerne. Da geht’s um Wählerstimmen. Aber was abstrus ist: Ich glaube, es arbeiten 20.000 Menschen in der Braunkohle und 300.000, die in der Erneuerbare-Energien-Branche arbeiten. Dort werden aber plötzlich Arbeitsplätze wegrationalisiert aufgrund von Veränderungen, die die Bundesregierung per Gesetze erlässt. Das interessiert niemanden. Aber wenn 20.000 Arbeitsplätze verloren gehen in der Braunkohle, dann ist was los.

Greenpeace Energy: Gibt es einen großen Hebel, bei dem du sagst: Das ist jetzt das Erste, was getan werden muss?

Sönke: Die CO2-Preise müssen nach oben. Einfach an einen Schaden den richtigen Preis kleben. Und dann wird erstens sehr schnell wirtschaftlich klar, was man wie umsetzen muss. Und zweitens sind wir auch ökologisch gleich besser aufgestellt.

Greenpeace Energy: Was ist Nachhaltigkeit für dich – auch privat gesehen?

Sönke: Also wenn man bei Greenpeace Energy arbeitet, bekommt man automatisch ein anderes Bewusstsein. Bei uns arbeiten viele Menschen, die in irgendeiner Weise nachhaltiger agieren als andere. Ich finde, Nachhaltigkeit bedeutet, man muss sich bewusst machen, was man mit seinem Tun auslöst. Die Frage ist, wie viel will man eigentlich hinterlassen und wie könnte man das vermeiden? Geht es nicht auch anders? Es muss nicht jeder mit seinem SUV alleine durch die Stadt gurken. Das ist einfach Schwachsinn.

Greenpeace Energy: Wie kann man das ändern? Kann das Greenpeace Energy? Oder Greenpeace, das ist ja ein großer Aufrüttler. Ist das ein Teil Deines Jobs?

Sönke: Ja. Aber nicht explizit bei Mobilität. Es gibt schon Themen wie zum Beispiel E-Mobilität, aber auch die tangieren wir eher über die Energiefrage. Wir lassen unter anderem Studien erstellen, in denen untersucht wird: Was kostet konventioneller Strom gegenüber erneuerbarem Strom? Und warum ist Ersterer vermeintlich so günstig? Wo zahlen wir vielleicht doch noch etwas, das aber nicht auf der Rechnung steht? Wie teuer ist das Ganze denn dann eigentlich? Es geht um Information. Wir machen viel Pressearbeit in diese Richtung, wir machen politische Arbeit in Berlin, in Brüssel.

Und wir zeigen auch, wie Dinge funktionieren können, beispielsweise die Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien in großen Mengen. Da geht es um Strom, der in synthetisches Gas umgewandelt wird – woraus man dann wieder Energie gewinnen kann, wenn man sie braucht. Wir bauen dann eben einen Elektrolyseur und zeigen: So sieht so was aus, so kann man das betreiben.

Greenpeace Energy: Klappt die Energiewende in 10-15 Jahren?

Sönke: Auf keinen Fall. Es ist witzig, dass wir über einen Zeitpunkt sprechen, der zurzeit in sehr weite Ferne rückt. Es gibt Studien, die sagen, wenn wir so weitermachen, wie wir es in den letzten 20 Jahren getan haben, dann werden wir uns 2150 dekarbonisiert haben. Das ist ein bisschen spät. Der größere Teil von dem, was wir erreichen wollen, liegt noch vor uns. Der viel größere!

Greenpeace Energy: Lieber Sönke, herzlichen Dank für deine Zeit.