Heute wurde im Bundestags-Ausschuss für Wirtschaft und Energie über die anstehende Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) beraten. Auch Carolin Dähling, Politikreferentin bei Greenpeace Energy, war als Sachverständige zur Anhörung eingeladen. Ihre wichtigsten Punkte fasst sie hier noch einmal zusammen:

„Wasserstoff ist ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Energiewende. Und natürlich muss der produzierte Wasserstoff dann auch zum Anwender transportiert werden. Deswegen ist der Aufbau ein Wasserstoff-Infrastruktur wichtig und richtig. Diese muss sich aber zwingend an unserem angestrebten zukünftigen System orientieren – und das ist ein System, in dem wir nur noch Erneuerbare Energie nutzen. Entsprechend muss auch der Wasserstoff grün sein, der in den verschiedenen Sektoren zur Senkung der CO2-Emissionen eingesetzt werden soll. Wenn wir also die Infrastruktur von morgen planen, müssen wir berücksichtigen, wo der Wasserstoff auch perspektivisch gebraucht wird und wo er produziert wird. Für den grünen Wasserstoff benötigen wir zwingend einen Zubau Erneuerbarer Energien, der die zusätzlichen Verbräuche an Ökostrom durch Elektrolyseure berücksichtigt. Der Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur sollte dabei mit den Potenzialen und dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Einklang gebracht werden. Für die verfügbaren Mengen an grünem Wasserstoff sind dementsprechend auch die Bemühungen der Bundesregierung zum Anschub des Ausbaus Erneuerbarer Energien entscheidend.

Es kommentiert Carolin Dähling. Sie ist Politikreferentin bei Greenpeace Energy und war heute als Sachverständige im Bundestags-Ausschuss eingeladen. Foto: Christine Lutz, Greenpeace Energy eG; Foto oben: Christoph Rasch / Greenpeace Energy eG

Beim Bedarf für Wasserstoff stellt sich die Frage, welche Anwendungen auch perspektivisch durch grünen Wasserstoff versorgt werden. Das sind die Anwendungen, die nicht direkt elektrisch mit Energie versorgt werden können und keine anderen Möglichkeiten zur Dekarbonisierung haben. Die Bestrebungen von Gasnetzbetreibern, die kompletten Gasnetze zu Wasserstoffnetzen umzubauen, sehen wir kritisch. Denn die Elektrifizierung sollte das erste Mittel der Wahl sein – und das bedeutet, dass die Verwendung von gasförmigen Energieträgern zurückgehen muss. Zudem kann Wasserstoff die dringend notwendigen Effizienzsteigerungen nicht ersetzen, die wir in allen Sektoren benötigen und die beispielsweise durch umfassende Sanierungen erreicht werden können. Es wird in unserem zukünftigen Energiesystem weniger Bedarf an gasförmigen Energieträgern geben, und deren Anwendung wird sich in andere Sektoren verlagern. De Bedarf für eine Gasinfrastruktur, wie sie heute besteht, wird es dementsprechend nicht mehr geben.

Die Überarbeitung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) verpasst aus unserer Sicht leider die Chance, eine rechtliche Unsicherheit auszuräumen. Die Übergangsregelung zur Befreiung von Netzentgelten sollte angegangen werden und eine rechtlich sichere Grundlage für die Netzentgeltbefreiung von Elektrolyseuren etablieren. Die Netzentgeltbefreiung sollte mit konkreten Anforderungen an einen netzdienlichen Standort, etwa an den Anteil fluktuierender Erneuerbarer Energien oder der Häufigkeit von Einspeisemanagement-Signalen im Netzgebiet, verknüpft werden. Damit könnte der Gesetzesentwurf nicht nur rechtliche Klarheit schaffen, sondern auch einen sachdienlichen Anreiz für die Wahl eines netzdienlichen Standortes von Elektrolyseuren schaffen.

Darum haben wir in unseren Beiträgen zum Gesetz noch einmal deutlich gemacht, worum es aus unserer Sicht beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft geht: um grünen Wasserstoff und dessen sinnvollen Einsatz. Und nicht darum, dem fossilen Geschäft der Gasnetzbetreiber einen grünen Anstrich zu verpassen.“

Mehr Infos zum Thema finden Sie hier auf der Webseite des Bundestags-Ausschusses .