Das Reallabor-Experiment „Klimaneutral leben in Berlin“ geht zuende – und zieht Bilanz: Ein Jahr lang haben sich mehr als 100 Berliner Haushalte an einem klimafreundlicheren Alltag versucht – und dabei ihre Verbräuche akribisch dokumentiert und von Wissenschaftlern auswerten lassen. Auf einer Abschlussveranstaltung im Umweltbundesamt in Berlin wurden nun die Ergebnisse aus dem einjährigen Projekt vorgestellt sowie Erfahrungen aus einem klimafreundlicheren Alltag mit den Haushalten diskutiert. Greenpeace Energy war als Projektpartner mit an Bord.

Die Ergebnisse des in Kurzform „KliB“ genannten Projektes zeigen: Ein nachhaltiges Leben im Alltag ist möglich, ohne sich selbst im Alltag zu sehr einzuschränken. Oder, wie es Michael Bilharz vom Umweltbundesamt beim Bilanz-Abend formulierte: „Klimaneutralität ist machbar – und zwar auf relativ entspannte Weise.“ Im „Reallabor“ genannten Forschungsvorhaben unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) konnten die teilnehmenden Haushalte ihre Klima-Bilanz im Schnitt um etwa 10 Prozent senken. Und das, obwohl sie schon zum Projektbeginn 2017 im Schnitt 25 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt starteten.

Die Bilanz des Projekts zeige, so das PIK in einer ersten Bilanz, dass in allen Sektoren – von Ernährung und Konsum bis zu Strom, Heizung und Mobilität – großes Potenzial für den Einzelnen stecke, CO2-Emissionen einzusparen. Gleichzeitig verdeutliche das Experiment auch, wo die Grenzen des einzelnen Beitrags zum Klimaschutz liegen und politische Rahmenbedingungen gefragt sind, um die Voraussetzungen zu schaffen für einen klimafreundlicheren Alltag.

KliB-Projektleiter Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Foto: Christoph Rasch / Greenpeace Energy eG, Foto oben: Fotolia, Alberto Masnovo

„Jeder kann einen großen Beitrag zur Klimastabilisierung leisten, etwa durch eine Ernährung mit mehr Gemüse und wenig Fleisch, indem man öfter auf Rad oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigt“, bilanzierte Fritz Reusswig, Leiter des Projekts „Klimaneutral leben in Berlin“ (KliB) – „oder zu Hause auf Grünstrom umstellt“. Und genau hier kommt Greenpeace Energy ins Spiel. Der Ökoenergieversorger war schon zu Beginn von den KliB-Initiatoren als Projektpartner angefragt worden. Mit dem Ziel, die teilnehmenden Haushalte in Sachen Energieeinsparung zu beraten – aber auch bei Fragen rund um den Wechsel zu und die Wirkung von sauberem Ökostrom.

Wechsel zu Ökostrom wichtiger Faktor

„Wenn Sie zu einem echten Ökostromanbieter wechseln ist Ihr Strom CO2-neutral und Ihr Anbieter informiert sie über weitere sinnvolle Maßnahmen zum Energiesparen“, gab auch auch UBA-Experte Bilharz den Projektteilnehmern am Abschlussabend mit auf den Weg. Besonders erfolgreich im Projekt waren tatsächlich jene Haushalte, die im Rahmen des Reallabors weitergehende Energieberatungen beanspruchten – sie konnten ihren CO2-Fußabdruck um bis zu 40 Prozent senken.

Im Video: So wechselt man ganz einfach seinen Stromanbieter

Nicht wenige Haushalte waren bereits überzeugte Ökostrom-Bezieher – und legten auch in anderen Konsumfeldern ein besonders nachhaltiges Bewusstsein an den Tag: Während der Bundesdurchschnitt bei den CO2-Emissionen bei etwa 11 Tonnen pro Jahr liegt, waren die am KliB-Reallabor freiwillig teilnehmenden Haushalte von Anfang an schon deutlich klima-affiner. „Je besser die eigene Klima-Bilanz ist, desto schwieriger wird es, weiteres CO2 einzusparen. Aber auch dann gibt es noch Möglichkeiten, den eigenen CO2-Fußabdruck weiter zu senken“, erklärte Reusswig.

Grafik: PIK

Im Mittel senkten die KliB-Haushalte ihren CO2-Fußabdruck um etwa 10 Prozent und landeten damit bei 7,8 Tonnen pro Kopf – rund 35 Prozent besser als der deutsche Durchschnitt. Ein persönlicher CO2-Fußabdruck, der mit den globalen Klimaschutzzielen von Paris, den Klimaschutzzielen des Bundes und dem Klimaneutralitätsziel des Berliner Senats für 2050 übereinstimmt, müsste aber auf ungefähr 1 Tonne CO2 pro Kopf und Jahr herunterkommen. Diese eine Tonne wurde zwar im KliB-Projekt nicht erreicht, aber: „Auf jährlich 7,8 Tonnen CO2 zu reduzieren, das könnte für jeden Haushalt leicht möglich sein – und das wäre bundesweit schon mal eine ganze Menge“, sagt Reusswig. „Gleichzeitig zeigt das Reallabor jedoch auch sehr klar die Grenzen des Einzelnen auf: Selbst ambitionierte Haushalte können ihre Klima-Bilanz maximal halbieren, doch dann ist irgendwann Schluss.

Auch Politik ist gefragt

Ab einem bestimmten Punkt hilft nur eine andere Politik“, so Reusswig. Denn: So genannte „öffentliche Emissionen“ etwa durch Straßenbeleuchtung, das Gesundheitswesen oder auch die Bundeswehr können nicht vom Einzelnen minimiert werden. „Da ist die Politik in der Pflicht, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die einem klimafreundlicheren Alltag entgegenkommen. Gerade bei der Ernährung oder dem Öffentlichen Verkehr braucht es weitergehende Anstrengungen. Dort müssen Politik und Wirtschaft ansetzen und nachhaltigere, bessere Rahmenbedingungen und Infrastruktur für einen klimafreundlichen Alltag schaffen. Das wünschen sich auch unsere Haushalte.“

Info Mehr zum Projekt „Klimaneutral leben in Berlin“ finden Sie hier.