Greenpeace Energy beteiligt sich heute geschlossen am Klimastreiktag. Hier erklären die beiden Vorstände der Energiegenossenschaft, Nils Müller und Sönke Tangermann, warum konsequente Maßnahmen für Strukturwandel und Energiewende so wichtig sind – und warum unsere PolitikerInnen jetzt dringend handeln müssen.

„Liebe Leserinnen und Leser,

Viele Menschen glauben, die drohende Klimakrise werde schon nicht so schlimm. Andere ziehen sich darauf zurück, dass man zu wenig über das Thema wisse. Fakt ist aber:  Wir riskieren nicht weniger als unsere Existenz  auf der Erde, so wie wir sie kennen. Wenn wir als Gesellschaft heute nicht massiv und entschieden unsere Lebensgewohnheiten ändern, werden wir, unsere Kinder und deren Kinder, in ein Zeitalter großer Not eintreten. Wer davor – und vor der Verantwortung des Menschen – die Augen verschließt oder gar den menschengemachten Klimawandel noch immer leugnet, der tut dies womöglich aus Angst, aus bewusster Ignoranz oder aus eigenen ökonomischen Interessen. Und selbst die „Nach mir die Sintflut“-Haltung einiger Zeitgenossen greift zu kurz. Denn die unmittelbaren Folgen der Erderhitzung werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten schon die jetzt lebenden Generationen treffen – auch bei uns, in Hamburg, Köln oder Berlin.

Die Greenpeace-Energy-Vorstände Nils Müller und Sönke Tangermann. Foto: Christine Lutz / Greenpeace Energy eG; Foto oben: Christoph Eckelt / Greenpeace Energy eG

Auch bei uns in Mitteleuropa erleben wir, dass die Sommer immer heißer und trockener werden und dass kalte Winter mit viel Schnee, wie sie noch für unsere Eltern normal waren, absolute Ausnahmen geworden sind. Der Grund hierfür ist der menschengemachte Klimawandel. Wir Menschen verbrennen jedes Jahr immer größere Mengen an Kohle, Öl und Gas und erhöhen damit die Konzentration von CO2 und anderen Treibhausgasen in unserer Atmosphäre – was nun mal der Hauptgrund für den Klimawandel ist. Die Temperaturen steigen, nahezu jedes Jahr ist ein Rekordjahr in der Geschichte der Temperaturaufzeichnungen. Diese Entwicklung ist grade in den letzten Jahrzehnten immer rasanter geworden.  Und die extremsten Auswirkungen des Klimawandels manifestieren sich bereits außerhalb Deutschlands:  Extreme Dürren in Asien und Afrika, immer häufigere und stärkere Hurrikane in der Karibik, eine gigantische Menge rasant schmelzender Eismassen an den Polen der Erde, zerstörte Inseln im Pazifik aufgrund des bereits heute steigenden Meerespegels. Dazu tauende Permafrostböden in Sibirien, sterbende Korallenriffe in den immer saurer werdenden Weltmeeren.

Schafft die Koalition es, die richtigen Impulse für den Ausbau Erneuerbarer Energien zu setzen? Foto: Maik Barge/Planet energy GmbH

Deutschland spielt hier eine wichtige Rolle, auch im internationalen Kontext. Wir als Industrieland sind einer der weltweit größten Treibhausgas-Emittenten mit einem jährlichen Ausstoß von weit über 800 Millionen Tonnen. Ob die Bundesregierung die Dringlichkeit erkannt hat und schnelle, konsequente Klimaschutzmaßnahmen ernsthaft umzusetzen bereit ist, scheint angesichts aktueller Eckpunkte-Papiere zweifelhaft (hier geht es zu unserem Kommentar). Zudem hat die Regierung kostbare Jahre mit klimapolitischer Drückebergerei verschwendet. Vor diesem Hintergrund reichen die vorgeschlagenen Maßnahmen – etwa beim derzeit stockenden Windkraft-Ausbau an Land – längst nicht mehr aus. Die Bundesregierung muss die Ausbauziele für erneuerbare Energien deutlich anheben – und sofort dafür sorgen, dass die Windparks und Solaranlagen auch wirklich schnell gebaut werden können. Nur dann kann es noch gelingen, dass  wir die Pariser Klimaziele einhalten.

Bildergalerie: Greenpeace Energy bei den Demos zum Klimastreiktag

Wir müssen also den politischen Druck unbedingt aufrechterhalten – und unsere PolitikerInnen an Ihre Verantwortung für unser aller Zukunft ermahnen. Wir tun dies nicht nur, weil es unser Job ist, weil wir als Greenpeace Energy aus der Umweltbewegung hervorgegangen sind und ohnehin klimaneutralen Ökostrom verkaufen, saubere Kraftwerke bauen – und uns immer wieder in die Energiewende-Debatte einschalten, politisch und als Technologie-Vorreiter etwas beim Thema Windgas. Sondern wir protestieren heute, weil es uns die Gefahren der Klimakrise ganz persönlich betreffen werden. Deshalb müssen wir den politischen EntscheiderInnen klar machen, dass wir massive und entschiedene Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels brauchen – und zwar sofort. Deshalb rufen wir bei Greenpeace Energy alle unsere MitarbeiterInnen auf, am Klimastreik aktiv teilzunehmen und gemeinsam auf die Straße zu gehen – zusammen mit den SchülerInnen der „Fridays for Future“, mit Umweltschutzorganisationen, Verbänden und zehntausenden ArbeitnehmerInnen, die wie wir die Lethargie der Politik in Sachen Klimaschutz satt haben.

Nils Müller, Sönke Tangermann
Vorstände Greenpeace Energy eG