In ihrer Not wurden 28 arme Weber aus dem nordenglischen Rochdale vor gut 175 Jahren zu Genossenschafts-Pionieren. Teil der inzwischen weltweit aktiven und sehr erfolgreichen Genossenschaftsbewegung ist auch Greenpeace Energy. Seine Mitglieder – und damit Mitbesitzer*innen – streben nicht nach maximalem Profit, sondern nach konsequentem Klimaschutz und nachhaltiger Energieversorgung.

Mehl, das mit Gips gestreckt wurde. Butter, innen ranzig und außen mit einer dünnen Schicht frischer Butter übertüncht. Nudeln, denen nicht Eigelb, sondern Urin die Farbe verlieh. Solche gepanschten und ungesunden Waren wollten sich die Arbeiter in Rochdale nicht länger bieten lassen. Doch die Versorgung der Armenviertel in der nordenglischen Stadt hatten zu Beginn
der Industrialisierung profitgierige Händler monopolisiert. Schließlich nahmen 28 Weber die Sache selbst in die Hand, gründeten „Die Redlichen Pioniere von Rochdale“, eröffneten am
21. Dezember 1844 einen eigenen Laden – und wurden damit zum Vorbild für die weltweite Genossenschaftsbewegung.

13 der 28 ursprünglichen Rochdale-Pioniere – der Epoche gemäß nur Männer – im historischen Foto (© The Co-operative Heritage Trust)

Als die Umweltschutzorganisation Greenpeace am 26. Oktober 1999 die Energiegenossenschaft Greenpeace Energy gründete, wollte sie einen ähnlichen Missstand beheben wie 155 Jahre zuvor die Weber von Rochdale: Eigentlich konnte man längst grünen Strom nach hohen Qualitätsstandards liefern. Die damals marktbeherrschenden Konzerne boten ihn jedoch nicht an, weil sie mit schmutziger Energie mehr Geld verdienten. Der Greenpeace-Auftrag an die junge Genossenschaft: Versorgt eure Kund*innen und Mitglieder mit vorbildlichem Ökostrom zu fairen Preisen. Und leistet einen richtungsweisenden Beitrag zum Aufbau einer zukunftsfähigen Energieversorgung. Ein Anliegen, das auch den Rochdale-Pionieren gefallen hätte, deren erklärtes Ziel nicht zuletzt die Verbreitung einer „moralischen Idee“ war.

Constanze Wieprecht leitet das Team für die Mitgliederbetreuung bei Greenpeace Energy

Neben der Energiewende geht es für Greenpeace Energy seit jeher auch um eine andere Form des Wirtschaftens. Die Genossenschaft gehört deshalb nicht irgendwelchen Finanzinvestoren, sondern vielen ihrer inzwischen 183.000 Kundinnen und Kunden. „Das sorgt für einen gesunden Ausgleich von Interessen“, erläutert Constanze Wieprecht, die bei Greenpeace Energy die Mitgliederbetreuung leitet: „In ihrer Eigenschaft als Mitbesitzer*innen achten alle auf solide Einnahmen und als Kunden auf günstige Preise.“ Das Ergebnis ist eine faire Geschäftspolitik, die nicht auf möglichst hohe Profite zielt.

Ebenso wichtig findet Wieprecht, dass „sich jeder die Mitgliedschaft bei uns leisten kann“. 55 Euro kostet ein Genossenschaftsanteil; maximal 200 können neue Mitglieder derzeit erwerben. Wie bei Genossenschaften üblich, haben alle Mitglieder unabhängig von der Zahl ihrer Anteile je eine Stimme. Sie wählen demokratisch aus ihrer Mitte eine Vertreterversammlung, die über die Ausrichtung der Genossenschaft und die generelle Geschäftspolitik entscheidet. So legen die 50 Vertreter*innen jedes Jahr unter anderem fest, ob die inzwischen rund 26.500 Mitglieder eine Gewinnausschüttung auf ihre Anteile erhalten.


175 Jahre Genossenschaftsbewegung:
Das Jubiläum der Pioniere von Rochdale feierte die „Zentralkonsum“-Genossenschaft mit einem inspirierenden Film, in dem auch Greenpeace Energy als Energiegenossenschaft vorgestellt wurde. Den gesamten, rund 15-minütigen Film mit dem Part über uns finden Sie hier: gp-e.de/pioniere-rochdale

„Wir würden uns wünschen, dass noch viel mehr unserer Kund*innen zu Mitbesitzer*innen werden und mit uns die Energiewende voranbringen“, sagt Constanze Wieprecht. Jedes Mitglied mehr stärke auch die Unabhängigkeit von Greenpeace Energy. „Weil wir so viele sind und jede*r nur eine Stimme hat, schützen wir uns effektiv gegen Übernahmen durch Investoren oder Großunternehmen.“ So kann sich Greenpeace Energy selbst in wirtschaftlich turbulenten Zeiten darauf konzentrieren, was schon den Pionieren von Rochdale wichtig war: faire Preise, höchste Qualität und solidarisches Wirtschaften.

Mehr über unsere Genossenschaft: Hintergründe, die Satzung, ein Beitrittsformular und unser Mitgliederportal finden Sie hier: greenpeace-energy.de/genossenschaft