Greenpeace Energy ändert seinen Namen im Herbst in Green Planet Energy. Das haben wir zusammen mit Greenpeace beschlossen. Über die Gründe für den Namenswechsel und die künftige Zusammenarbeit sprechen Greenpeace-Geschäftsführer Roland Hipp und die Greenpeace Energy-Vorstände Nils Müller und Sönke Tangermann im gemeinsamen Interview.

Warum ändert Greenpeace Energy nach fast 22 Jahren seinen Namen?
Nils Müller: Der Namenswechsel ist wohl das einschneidendste Ereignis unserer Geschichte. Die Entscheidung dazu haben wir uns nicht leicht gemacht. Über die Jahre haben wir immer wieder mit Greenpeace diskutiert, ob ein anderer Name für die Energiegenossenschaft sinnvoll sein kann, um unsere gemeinsamen Ziele besser zu erreichen. Heute sehen wir den einvernehmlich beschlossenen Namenswechsel als Chance: In unseren künftig besser erkennbaren jeweiligen Rollen können wir zusammen mehr für die Energiewende und den Schutz unseres Planeten erreichen. Denn darum geht es: Greenpeace setzt sich als internationale NGO mit visionären Forderungen weltweit für entschlossenen Umweltschutz ein und konfrontiert Politik und Wirtschaft mit daraus abgeleiteten Forderungen. Und Greenpeace Energy, ab Herbst eben Green Planet Energy, ist eine Genossenschaft, die den Umbau der Energiebranche als Marktteilnehmerin durch schon heute umsetzbare ökologische Lösungen für Verbraucher:innen vorantreiben will. Wir setzen so Impulse für mehr Tempo bei der Energiewende.

Roland Hipp: Die Klimakrise und das Artensterben beschleunigen sich. Uns läuft die Zeit davon. In der Vergangenheit mussten wir immer wieder erleben, dass Greenpeace und Greenpeace Energy zufällig oder auch absichtlich verwechselt wurden. Greenpeace fordert mehr Erneuerbare, aber wir bauen – als Beispiel – keine Windräder oder Elektrolyseure. Das tut die Genossenschaft. Solche Richtigstellungen und Reibungsverluste wollen wir uns künftig sparen, damit wir uns voll und ganz darauf konzentrieren können, die drängenden ökologischen Krisen zu stoppen.  

Diese Entscheidung hättet ihr so doch auch schon früher treffen können. Was hat sich geändert?
Sönke Tangermann: Wir haben den Namen Greenpeace Energy immer gerne getragen. Wir haben aber auch analysiert, wie wir uns strategisch besser aufstellen können. Und dabei müssen wir feststellen: Unsere ähnlichen Namen laden gerade dazu ein, uns beide in einen Topf zu werfen. Selbst große Medien schreiben Greenpeace, wenn sie Greenpeace Energy meinen. Oder es entsteht der Eindruck, Greenpeace Energy sei die kommerzielle Stromtochter der Umweltschutzorganisation. Dabei ist klar: Als gemeinnütziger Verein will und darf Greenpeace keine geschäftlichen Tätigkeiten ausüben. Mit der Namensänderung sorgen wir hier für Klarheit. Das ist gut für alle Beteiligten.

Nils Müller (li.) und Sönke Tangermann (re.), Vorstände von Greenpeace Energy, im Gespräch mit Roland Hipp, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland

Roland Hipp: Regierungen und Konzerne haben zu viel Zeit vertrödelt, der Handlungsdruck ist inzwischen enorm. In diesem Jahrzehnt müssen wir es in Deutschland, aber auch global schaffen, die CO2-Emissionen drastisch zu senken. Und wir müssen heute schon die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir bis zum Jahr 2040 klimaneutral wohnen, reisen und produzieren können. Das sind riesige Herausforderungen, und wir brauchen alle Kraft, um sie im nötigen Tempo zu meistern.

Wie haben die Kund:innen und Genossenschaftsmitglieder auf die Nachricht reagiert?
Sönke Tangermann: Natürlich mussten einige schlucken. Greenpeace ist ja mehr als ein Name. Es ist die Verkörperung von Vertrauenswürdigkeit, von engagiertem Einsatz für Natur- und Klimaschutz. Aber viele haben auch verstanden: Wir trennen uns nicht von Greenpeace, wir ändern bloß den Namen. Und das ist uns beiden sehr wichtig: Die Werte und Ziele von Greenpeace, mit denen wir 1999 ja auch gestartet sind, die sind und bleiben unsere DNA. Im neuen Namen schwingt diese Herkunft weiter mit. Wir bringen mit Green Planet Energy aber auch unsere gemeinsame Mission mit Greenpeace sehr gut auf den Punkt. Wir arbeiten beide dafür, die planetaren Lebensgrundlagen zu bewahren.

Roland Hipp: Ganz ehrlich, mir ist das auch sehr schwergefallen. Ich habe Greenpeace Energy 1999 ja selbst mitgegründet und hatte die Energiekampagne geleitet, aus der dann die Idee für die Genossenschaft entstand. Ich bin stolz, was daraus geworden ist und was Greenpeace Energy in diesen mehr als 20 Jahren für die Energiewende erreicht hat. Das bleibt aber auch mit dem neuen Namen Teil eurer und unserer Geschichte.

Wie geht diese Geschichte jetzt weiter?
Roland Hipp: Wir werden so eng und vertrauensvoll für die gemeinsamen Ziele zusammenarbeiten, wie in den vergangenen 21 Jahre, aber wir tun das künftig in besser erkennbaren Rollen und so verbesserter Wirkung. Da kommt es jetzt auf jedes Prozent an. Es gibt einen enormen Zeitdruck für uns, für die Politik und die Zivilgesellschaft, die wichtigsten Aufgaben sofort anpacken: beim Thema Energie zum Beispiel den Kohleausstieg auf spätestens 2030 vorzuziehen und jetzt auch den zügigen Ausstieg aus fossilem Gas anzugehen. Denn Erdgas hat sich inzwischen, weil die Wissenschaft genauer hingeschaut hat, als viel größeres Klimaproblem entpuppt als lange gedacht. Das sind Themen für Greenpeace wie für Greenpeace Energy – beziehungsweise Green Planet Energy.

Nils Müller: Das sehen wir genauso. Wir streben deshalb bei unseren proWindgas-Tarifen den Ausstieg aus fossilem Gas für all unsere Kund:innen schon bis 2027 an. Das ist enorm ambitioniert und setzt Standards für die Branche. Doch so haben wir unsere Rolle seit unserer Gründung immer verstanden: Wir sind Energiewende-Pioniere und gehen voran. Es reicht aber nicht, aus fossilen Energieträgern auszusteigen. Wir müssen zugleich in hohem Tempo in erneuerbare Alternativen einsteigen. Dazu haben wir zum Beispiel seit 2011 Windgas entwickelt, also grünen Wasserstoff. Der ist wichtig für den Erfolg der Energiewende insgesamt. Das hat inzwischen sogar die Bundesregierung erkannt, sie packt aber vieles falsch an. Und ein weiteres gemeinsames Thema mit euch, Roland, ist, dass wir den Ausbau der Windkraft, auch an Land, sowie der Solarenergie dramatisch beschleunigen müssen. Die Aufgaben gehen uns jedenfalls so rasch nicht aus.