Die Hinkley-Point-Chronik (bis Juli 2015)

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Hinkley Point in der britischen Grafschaft Somerset ist bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert AKW-Standort. Mit den beiden geplanten Reaktoren soll Hinkley Point ab 2023 um den Block C erweitert werden. Unsere Chronologie gibt eine Übersicht über die bisherigen Ereignisse und die Geschichte von Hinkley Point.

November
1957
Baubeginn für die beiden Reaktoren (vom Typ „Magnox“) der ersten Anlage Hinkley Point A mit einer Nettoleistung von je 235 Megawatt (MW).
März/Mai
1965
Inbetriebnahme der Blöcke A1 und A2.
September
1967
Baubeginn für die Anlage B mit zwei weiteren Reaktoren vom Typ „Advanced Gas-cooled Reactors (AGR)“ mit einer Nettoleistung von 410 beziehungsweise 430 MW.
Februar/ Oktober
1976
Inbetriebnahme der Blöcke B1 und B2.
Mai
2000
Stillegung der Anlage Hinkley Point A nach einer Laufzeit von 35 Jahren und einer gesamten Stromproduktion von rund 103 Terawattstunden (TWh).
Oktober 2006 bis Mai 2007 Vorläufige Abschaltung der Anlage B, um eine Rissbildung innerhalb der Reaktoren zu überprüfen. Nach dem Wiederanfahren der Reaktoren wurde die Laufzeit bis 2017, später bis 2023 verlängert.
März
2009
Hinkley Point wird mit einigen anderen Orten als möglicher Standort für ein neues Atomkraftwerk genannt.
2011 Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren der Regierung werden Hinkley Point und Sizewell an der englischen Ostküste als verbliebene Standorte präsentiert. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits Aufträge im Wert von 9 Millionen Pfund Sterling an lokale Zulieferer und Firmen rund um Somerset (den Standort von Hinkley Point) vergeben. EDF erhält die Genehmigung, mit Vorarbeiten für den Kraftwerksbau zu beginnen.
Juli
2011
Die Standortgenehmigung wird der Atomaufsichtsbehörde sowie der britischen Umweltagentur zum Entscheid vorgelegt.
Oktober
2011
Mit Vorlage eines 55.000 Seiten starken Informationsblattes zum Bauvorhaben und Standort wird eine Genehmigung der britischen Planungsaufsicht sowie die Zustimmung des Secretary of State beantragt.
November
2012
Hinkley Point C erhält als erstes Atomkraftwerk der letzten 25 Jahre die offizielle Baugenehmigung. Die Beratungen für Sizewell C als weiteres Projekt der EDF beginnen.
März
2013
Die britische Umweltagentur erteilt dem Baukonsortium drei wesentliche Genehmigungen. Der Secretary of State bestätigt die Genehmigung der Planungsaufsicht.
Oktober
2013
Die britische Regierung legt der EU-Kommission die vertraglichen Details mit EDF vor, nachdem sie staatliche Beihilfen zugesagt hat. Die Ergebnisse der Beratungen der Kommission werden im Official Journal of the European Union (OJEU) veröffentlicht.
Oktober
2014
Die EU-Kommission erklärt die Verträge zwischen EDF und dem britischen Staat für zulässig. Eine Veröffentlichung der Entscheidung im offiziellen Amtsblatt soll folgen.Österreich kündigt an, eine Klage gegen die Entscheidung vorzubereiten und bis März 2015 klagebereit zu sein.
Februar/März 2015 Luxemburg erklärt, die Klage Österreichs unterstützen zu wollen.
März
2015
Greenpeace Energy gibt in einer Pressekonferenz bekannt, aufgrund von Wettbewerbsnachteilen durch die britischen Atomsubventionen gegen die Entscheidung der EU-Kommission zu klagen. Offiziell eingereicht wird die so genannte Nichtigkeitsklage beim Gericht der Europäischen Union, sobald die Entscheidung der Kommission im Amtsblatt erschienen ist. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel spricht sich nur einen Tag nach der Klageankündigung von Greenpeace Energy bei einem Treffen der EU-Energieminister gegen eine Finanzierung von Atomenergie mit öffentlichen Mitteln aus.
Juni/Juli
2015
Der Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie hört am 17. Juni in einer öffentlichen Anhörung sieben Experten zu den möglichen Folgen der Beihilfen für Hinkley Point C für den deutschen Energiemarkt an, darunter Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy.Im Rahmen der No-Point-Kampagne fordern mehr als 6000 Bürgerinnen und Bürger ihre zuständigen Bundestagsabgeordneten per E-Mail auf, sich im Bundestag für eine Klagebeteiligung der Bundesregierung gegen die Subventionsmilliarden stark zu machen. Zudem werden mehr als 4000 Postkarten auf den Weg zu Bundeswirtschaftsminister Gabriel gebracht, er möge seinen starken Worten („Wir werden auf gar keinen Fall zustimmen, dass jetzt die Atomenergie in Europa durch öffentliche Gelder, durch Steuergelder gefördert wird.“ – am 5. März beim Ministerrat zur Energieunion in Brüssel) auch Taten folgen lassen.

Am 2. Juli stimmt der Deutsche Bundestag zu später Stunde darüber ab, ob sich die Bundesregierung einer Klage gegen die Beihilfeentscheidung der Europäischen Kommission anschließt.

Am selben Tag erläutern Greenpeace Energy und ein Vertreter der acht deutschen Stadtwerken aus der Klagegemeinschaft in den Räumen der Bundespressekonferenz in Berlin die Klagegründe vor Journalisten.

 Zusammenstellung: Falk Künstler. Foto: Robin Somes, Wikimedia Commons