Fast zwei Jahre dauert die Auseinandersetzung zwischen Greenpeace Energy und der EU-Kommission um Hinkley Point C bereits an. Im Frühjahr 2014 hat der Ökoenergieanbieter bei der Kommission in Brüssel Einspruch gegen staatliche Beihilfen für das geplante britische Atomkraftwerk eingelegt. Mit seiner offiziellen Stellungnahme im Verfahren zur Beihilfeprüfung protestierte der Ökostromversorger damals dagegen, dass Großbritannien den Bau neuer Reaktoren im Südwesten Englands massiv subventionieren will.

„Damit leistet die Atomindustrie einen Offenbarungseid“, kritisiert Sönke Tangermann, Vorstand des unabhängigen Ökostromanbieters Greenpeace Energy, „denn die unberechenbaren Risiken der Atomenergie werden nun auch ganz offiziell zu einem deutlich höheren Preis vergütet als erneuerbare Energieträger.“ Das Beispiel Hinkley Point C zeigt aus Sicht von Greenpeace Energy, dass sich die gefährliche und schmutzige Nutzung der Atomkraft ohne eine exorbitant hohe finanzielle Förderung aus Steuergeldern nicht rentiert.

„Diese Bevorzugung der Atomkraft ist nicht nur ökologisch ein Skandal, sondern auch eine unfaire Wettbewerbsverzerrung“, sagt Sönke Tangermann: „Die Beihilfe schafft selektive Marktvorteile ausgerechnet für unverantwortlichen Atomstrom und benachteiligt damit die Produktion und den Handel von sauberem Strom in der EU.“ Denn staatlich subventionierter Strom aus Kernkraftwerken senkt das allgemeine Preisniveau auf dem Energiemarkt, während die Beschaffungskosten für Ökostrom gleich bleiben.

Die Europäische Kommission hat bereits ein förmliches Prüfverfahren gegen Großbritannien wegen der Subventionierung des Reaktorneubaus Hinkley Point C eingeleitet. Bis zum 7. April 2014 konnten Bürger, Unternehmen und Verbände im Rahmen dieses Verfahrens Stellungnahmen abgeben. Greenpeace Energy unterstützt mit seiner Position die Auffassung der Kommission, wonach die geplante Unterstützung eine unrechtmäßige Beihilfe nach EU-Recht darstellt. „Wir pochen jetzt darauf, dass die EU-Kommission diese Subventionierung am Ende des Verfahrens tatsächlich als unerlaubte Beihilfe einstuft und entsprechende Konsequenzen gegen Großbritannien zieht“, so Greenpeace-Energy-Vorstand Sönke Tangermann.