Mehr als 100 Milliarden Euro Subventionen für Hinkley Point

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Nach neuen Berechnungen im Auftrag von Greenpeace Energy wird die Subventionierung des geplanten britischen Atomkraftwerks Hinkley Point C deutlich teurer. Laut einer Kurzanalyse des Instituts Energy Brainpool summieren sich allein die staatlich garantierten Vergütungszahlungen für das AKW während der Förderzeit von 35 Jahren auf rund 108 Milliarden Euro. Dies ist viermal so viel wie bislang bekannt und dürfte nach Einschätzung von Greenpeace Energy den Strommarkt in Europa spürbar verzerren.

„Wir können nicht hinnehmen, dass milliardenschwere Atombeihilfen in Großbritannien auch den Strommarkt in Deutschland beeinflussen und sogar den Ausbau erneuerbarer Energien spürbar behindern können“, sagt Sönke Tangermann. Bereits im März hatte Greenpeace Energy in einem Gutachten negative Auswirkungen von Hinkley Point C auf den deutschen Energiemarkt belegt.

Das geplante AKW kostet den britischen Steuerzahler mehr als 100 Milliarden Euro. Foto oben: Kate Davison / Greenpeace

„Während in Deutschland die Förderung von erneuerbaren Energien zurückgeschraubt wird und für immer mehr Anlagen ausläuft, soll ausgerechnet die gefährliche und überholte Atomtechnik ein Beihilfepaket erhalten, das jegliche Ökostrom-Förderung weit übertrifft“, sagt Tangermann. So soll allein der Bau von Hinkley Point C mit staatlichen Kreditgarantien in Höhe von umgerechnet mehr als 20 Milliarden Euro abgesichert werden. Zudem will Großbritannien dem AKW-Betreiber Électricité de France (EdF) für 35 Jahre eine Garantievergütung für den dort produzierten Atomstrom zahlen.

Diese Vergütung liegt weit über dem Marktpreis, soll jährlich an die Inflation angepasst werden und summiert sich dadurch laut Energy Brainpool auf insgesamt 108 Milliarden Euro über den gesamten Förderzeitraum. Hinzu dürften noch weitere Kosten für den Steuerzahler kommen, die für die Endlagerung von Atommüll, den späteren Rückbau der Anlage sowie bei möglichen Störfällen entstehen können.

„Dass ein einzelnes Atomkraftwerk mit dreistelligen Milliardenbeträgen aus dem öffentlichen Haushalt alimentiert werden muss, kommt einer Bankrotterklärung der Atomindustrie gleich“, sagt Sönke Tangermann. „Hier liegt eindeutig das Versagen einer zugleich gefährlichen und unwirtschaftlichen Technologie vor – und kein allgemeines Marktversagen, das Beihilfen rechtfertigen würde, wie von der EU-Kommission behauptet.“