Eine neue Vision könnte Europa gerade gut gebrauchen. Attackiert von nationalistisch gesinnten Regierungen wie von rechten Populisten, genervt vom Gezerre um den Brexit, geschwächt durch schwindendes Interesse seiner Bürger*innen wurschtelt es vor sich hin.

Da kommt das neue Buch „Die Energiewende in Europa“ kurz vor der Europawahl genau zur richtigen Zeit. Dessen Autoren wollen aufzeigen, wie eine engagierte Energiewende auch der „Europäischen Idee“ einen neuen Energieschub geben kann. Das Ziel ist klar: ein Europa ohne fossile und nukleare Energien bis zum Jahr 2050! Und dieses Ziel ist, so legt das renommierte Autorenteam* dar, auch erreichbar.

oekom verlag München (www.oekom.de),192 Seiten, 20 €

Bei allem Anspruch an ein solides wissenschaftliches Fundament liest sich das Buch erfreulich flüssig. Das gilt für die Analyse der Probleme – z.B. Einfluss der Wirtschaftslobbys, militärische Motive für das Festhalten an der Atomkraft in Frankreich und England oder Störfeuer aus den USA unter Trump – ebenso wie für die Elemente einer zukunftsfähigen Klimapolitik, die sich peu à peu zu einer Blaupause für Europas Institutionen fügen. Mit einem klaren Energiewende-Kurs, argumentieren die Autor*innen sauber unterfüttert, könne Europa stärker und sozialer werden und die EU „in einer Situation der weltweiten ökologischen Zuspitzung zum entscheidenden internationalen Handlungsträger“. Ohne eine enge Zusammenarbeit von Frankreich und Deutschland allerdings könne dies kaum gelingen. Neue Märkte und mehr Jobs, bessere Versorgungssicherheit und sinkende Energiekosten, weniger Umwelt- und Gesundheitsschäden – Kapitel für Kapitel zeigen die vier Expert*innen, welche konkreten Schritte nötig und möglich sind, um echte Fortschritte zu erreichen. Wer sich fragt, wofür Europa heute noch gut ist, findet hier spannende Antworten.

Als Projekt der Friedenssicherung hat sich die EU längst bewährt. Die Herausforderung der Zukunft ist die Sicherung der Lebensgrundlagen. Welche globale Kraft könnte diese Aufgabe glaubwürdiger angehen als Europa mit seiner technologischen Kompetenz, seiner wirtschaftlichen Kraft, seinem politischen Netz? Eine Vision, ja. Aber eine, von der die ganze Welt profitieren kann, wenn wir Europäer ernst damit machen.

*Peter Hennicke, Jana Rasch, Judith Schröder arbeit(et)en für das Wuppertal Institut, Daniel Lorberg forscht u.a. an der Bergischen Universität Wuppertal zu Nachhaltigkeit.

INFO: Wir verlosen drei Exemplare von „Die Energiewende in Europa“. Zum Mitmachen schreiben Sie uns bitte bis zum 11. Juni eine E-Mail mit dem Betreff „Energiewende“ und Ihrer Postanschrift an verlosung@greenpeace-energy.de