IAEA-Chef fordert längere AKW-Laufzeiten in Deutschland„Atomkraft hilft nicht dem Klimaschutz, sondern schafft weitere Probleme“

– Kommentar

Der Chef der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA, Rafael Grossi, fordert anlässlich seines heutigen Deutschland-Besuchs einen Aufschub des Atomausstiegs hierzulande. Ohne Atomkraft, so Grossi, seien die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens nicht zu erreichen. Es kommentiert Sönke Tangermann, Vorstand bei der Ökoenergiegenossenschaft Greenpeace Energy:

„Atomkraft ist nicht nur riskant, sondern auch zu teuer und zu unwirtschaftlich. Allein in Deutschland hat die Atomenergie unsere Gesellschaft mehr als eine Billion Euro gekostet. Anders als Rafael Grossi behauptet, ist Atomkraft nicht ‚Teil der Lösung‘ – sondern, im Gegenteil, Kern und Ursache eines der gravierendsten Umwelt-Probleme neben der Klimakrise. Wie kann man eine Technologie ernsthaft als ‚sauber‘ bezeichnen, die allein in Deutschland bis heute knapp 15.000 Tonnen hoch radioaktiven Atommüll produziert hat, den wirklich niemand vor seiner Haustür haben will? Auch Herr Grossi gibt darauf keine Antwort.

Machbar hingegen ist ein Erreichen der Pariser Klimaziele auch ohne Atomkraft – und zwar durch den entschiedenen Einsatz erneuerbarer Energien. Die stellen bereits bis zu 50 Prozent des produzierten Stroms, ihre Kosten sind rapide gesunken, die Versorgungssicherheit mit Strom ist hoch wie nie – und Wasserstoff ist als künftige Speicher-Säule der Energiewende politisch akzeptiert. Wer da wie Herr Grossi noch immer von angeblich ‚wenig konstanter‘ Wind- und Sonnenenergie raunt, lebt energiepolitisch entweder hinterm Mond oder nur noch in seiner eigenen Filterblase. Der deutsche Außenminister Heiko Maas täte beim heutigen Treffen mit dem IAEA-Chef deshalb gut daran, dessen Forderungen nach AKW-Laufzeitverlängerungen vehement zu widersprechen – und den Fahrplan des deutschen Atomausstiegs sowie die Erfolge der Energiewende selbstbewusst zu verteidigen.“

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Sitz der Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA in Wien. Foto: Christoph Rasch / Greenpeace Energy eG
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