Vorwürfe von Thomas Deichmann in der Financial Times Deutschland sind haltlosBekommt Goliath Panik?

– Pressemitteilung

In den vergangenen Tagen sind in einigen Artikeln des Autors Thomas Deichmann falsche Anschuldigungen gegen Greenpeace Energy aufgetaucht. Zuletzt im Kölner Stadtanzeiger vom 16.1.2010, so nun in der Ausgabe der FTD vom 19.1.2010 („Ökostrom - Ein Fall für Goliath“). Der Artikel ist nicht nur tendenziös, sondern zeigt Sachverhalte ungenau, verdreht Tatsachen und stellt diese somit falsch dar.

Greenpeace Energy ist vor Veröffentlichung des Artikels nicht die Möglichkeit einer Stellungnahme eingeräumt worden. Darum stellen wir die wichtigsten Punkte nachfolgend richtig:

1. Zur Verwendung von Anlagenteilen von Areva und Siemens

Richtig ist, dass der Transformator in unserer Fotovoltaikanlage Dasing bei Augsburg von Areva an den Hersteller der Wechselrichterstation geliefert wurde und dass Areva diesen Trafo wartet, wie wir in unseren eigenen Publikationen ausgeführt haben. Der Autor unterschlägt dabei die Information, dass solche Trafos nur im Komplettpaket, zusammen mit Wechselrichtern und den Betonstationen verkauft werden. Wenn man ein Auto kauft, sind dort ebenso Teile eingebaut, die von anderen Herstellern sind. Es gab somit keine Wahl bei der Wahl des Trafo-Herstellers. Auch war die Nachfrage nach dieser Art Trafos, als die Anlage 2006 gebaut wurde, sehr stark. Nur durch Glück konnte der Transformator rechtzeitig beschafft werden, weil ein anderer Auftragnehmer abgesprungen war. Wir haben uns dann dafür entschieden, diesen auch vom Hersteller warten zu lassen.

Richtig ist, dass Planet energy, die Tochterfirma von Greenpeace Energy für den Anlagenbau, drei Windanlagen von Siemens Windenergie GmbH in Soltau betreibt. Dieser Umstand ist seit Bau der Anlagen im Jahre 2005 bekannt. Die Typen aller von uns gebauten Windanlagen sind stets auf unserer Website veröffentlicht. Der Standort wurde im Januar 2004 auf diesen Anlagentyp genehmigt, als Siemens den Hersteller AN Windenergie GmbH noch nicht gekauft hatte. 

Seit Bestehen der Genossenschaft im Jahre 2000 sind wir mit der Frage konfrontiert, ob und in welchem Umfang wir Komponenten und Anlagen von Herstellern beziehen, die sich im Besitz von Unternehmen befinden, die auch mit Atomkraft ihr Geld verdienen. Wir versuchen dies möglichst zu vermeiden. Nicht mehr möglich ist ein Ausweichen auf andere Hersteller, wenn z.B. in der Baugenehmigung des Kraftwerksstandortes ein bestimmter Anlagentyp vorgegeben ist oder Anlagenteile als Bestandteil einer Komponente verbaut werden, wie zum Beispiel bei einer Wechselrichterstation. Wir halten es für ökologisch und politisch sinnvoller, diese Projekte trotz dieser Lieferanten umzusetzen, als die Projekte zu gefährden oder auf deren Umsetzung zu verzichten. Diese Position vertreten wir seit Gründung der Genossenschaft gegenüber allen Kunden und Mitgliedern.

2. Eigene Kraftwerke - Mangelware?

Der Autor stellt die Leistungen im Anlagenbau von Greenpeace Energy in Frage. Er vergleicht den Bau von insgesamt über 40 Megawatt installierter Leistung und das Investment von über 60 Mio. Euro nicht etwa mit den Leistungen anderer Ökostromanbieter auf dem Markt, sondern mit der Leistung des 1976 in Betrieb gegangenen Atomkraftwerks Brunsbüttel. Hierzu können wir nur feststellen, dass unsere Anlagen zuverlässig sauberen Strom liefern - ganz im Gegensatz zum gefährlichen Atomkraftwerk Brunsbüttel, das - wie auch das Atomkraftwerk Krümmel - seit Monaten wegen Störfällen stillsteht. 

In den vergangenen zehn Jahren hat sich Greenpeace Energy im hart umkämpften Strommarkt etabliert und ein erfolgreiches und funktionierendes Genossenschaftsmodell aufgebaut. Damit hat Greenpeace Energy eines seiner wichtigsten Ziele erreicht: Wir bauen seit 10 Jahren systematisch eine unabhängige Stromversorgung mit Ökostrom auf. Dabei gehen wir Schritt für Schritt vor: Nach dem erfolgreichen Aufbau einer zuverlässigen Stromversorgung (95.000 Kunden) haben wir in den letzten Jahren das Geschäftsfeld des Anlagebaus und dessen Finanzierung erfolgreich etabliert. Insgesamt wurden bereits acht Wind- und Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von über 40 Megawatt errichtet. Seit 2009 erfolgt die schrittweise Integration dieser Anlagen in unsere Stromlieferung an die Kunden, wofür wir derzeit in die entsprechende Software und Steuerungstechnik investieren. Mit dieser Entwicklung eines in der Stromwirtschaft einmaligen Genossenschaftsmodells gehört Greenpeace Energy zu einem der erfolgreichsten Ökostromanbietern Deutschlands. 

Tatsache ist, dass wir seit Gründung der Genossenschaft in vergleichsweise großem Umfang Windkraft zeitgleich zu seiner Produktion in unseren Strommix integrieren. Unter anderem auch aus unserem eigenen Windpark „Parndorf 2“.


3. Zum Weserkraftwerk 

Greenpeace Energy hat mit einem Partner zusammen das Weserkraftwerk in Bremen geplant und zur Baureife entwickelt, um es dann planmäßig an eine Betreibergesellschaft zu verkaufen. Aus der kaufmännischen Geschäftsführung dieser Betreibergesellschaft haben wir uns bereits im Oktober 2008 zurückgezogen, um unsere Ressourcen für neue Projekte zu bündeln. Dafür sind aber nicht, wie behauptet, die Bremer Stadtwerke eingesprungen. Diese sind vor dem Hintergrund in das Projekt eingestiegen, dass das Kraftwerk 2007 durch eine geplante Gesetzesänderung nicht mehr unter das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) fallen sollte. Da sich dadurch ebenfalls die Finanzierungskonditionen der Bank änderten, musste der Eigenkapitalanteil des Projektes deutlich erhöht werden. Als neue Investoren wurden damals der Windanlagenhersteller Enercon und der Bremer Energieversorger (vormals Stadtwerke Bremen) gefunden. Auch haben sich die Investitionskosten durch extrem gestiegene Kosten bei Stahl und im Kraftanlagenbau von ursprünglich geplanten 28 Mio. Euro auf 40 Mio. Euro erhöht, was aber der Wirtschaftlichkeit des Projektes nicht geschadet hat, denn sonst würde es derzeit nicht gebaut und finanziert werden. Der Autor unterschlägt, dass auf der Liste unserer neu gebauten Kraftwerke ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass der Beitrag von Greenpeace Energy in der Planung bis zur Baureife des Kraftwerkes bestand.

4. Bekommt Goliath Panik?

Ein Kommentar von Greenpeace Energy zum Artikel „Ökostrom - Ein Fall für Goliath":
„Thomas Deichmanns Polemik ist bemerkenswert. Der Autor schreibt all jenen aus dem Herzen, die Angst vor der Energiewende haben. Schwarz-Gelb hat die Laufzeiten von Atomkraftwerken nicht sofort nach der Wahl verlängert. Einige Atomkraftwerke stehen somit kurz vor dem Aus. Gleichzeitig räumt die Koalition Erneuerbaren Energien immer noch eine hohe Priorität ein und Erneuerbare Energien durchdringen zunehmend den Markt. Sie decken immer mehr Anteile der Grundlast und sollen nun endlich auch das Stromnetz bekommen, welches sie brauchen, um Atom- und Kohlekraftwerke abzulösen. 
Jetzt bekommen die Großkonzerne anscheinend Panik: Es wird enger für die Goliaths - und Herr Deichmann haut in seiner Verzweiflung auf die Kleinen.“


Kontakt:
Greenpeace Energy eG, Pressestelle,
Telefon 040 - 808 110 652, Telefax 040 - 808 110 622
presse@greenpeace-energy.de
www.greenpeace-energy.de

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