(UPDATE) EU-Parlament will Nachweissystem für Ökostrom ausweitenBundesregierung muss Täuschungsmanöver zu Lasten der Verbraucher stoppen

– Pressemitteilung

(UPDATE zur Presseerklärung) Das Europäische Parlament hat heute seinen Entwurf für die geplante Erneuerbaren-Energien-Richtlinie beschlossen. Darin enthalten ist auch eine Neuregelung für das System der Herkunftsnachweise für Ökostrom. Dieses soll nach dem Willen des Parlaments auf geförderte Erneuerbaren-Anlagen ausgedehnt werden. Es kommentiert Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy:

„Großkonzerne wie Amazon, Google und Co. dürfen künftig so tun, als bezögen sie Ökostrom aus Wind- oder Solarparks – obwohl nicht sie, sondern weiterhin die Verbraucher die Kosten für die erneuerbaren Energie bezahlen. Diese besondere Art des Greenwashings hat das EU-Parlament heute beschlossen. Zum Glück haben auch EU-Kommission und die Regierungen der Mitgliedsländer ein Wörtchen mitzureden, ehe die neue Stromkennzeichnung im Rahmen der Erneuerbaren-Richtlinie rechtskräftig wird. Klarer Auftrag an die deutsche Bundesregierung, dieses Täuschungsmanöver zu Lasten ganz normalen Zahler der EEG-Umlage zu stoppen.“

Hintergrund: Bislang werden Herkunftsnachweise nur für ungeförderten Ökostrom ausgestellt. Das heißt, die Differenz zwischen dem Großhandelspreis für Strom und den tatsächlichen Herstellungskosten von Wind- oder Solarstrom muss der Nutzer des Herkunftsnachweises bezahlen, der seinen Strom in der Öffentlichkeit als grün ausweisen möchte. Die Änderung ermöglicht Herkunftsnachweise auch für geförderten Strom. Dann zahlen die zusätzlichen Produktionskosten für Ökostrom über den Großhandelspreis hinaus die Verbraucher (in Deutschland in Form der EEG-Umlage). Die Qualität können sich Konzerne gleichwohl über dann sehr günstige Herkunftsnachweise sichern und sich so als „grüne“ Unternehmen darstellen. Der Parlamentsbeschluss ist jedoch noch nicht rechtskräftig, sondern muss mit EU-Kommission und –Rat abgestimmt werden, ehe er im Rahmen der neuen EU-Erneuerbaren-Richtlinie ab 2021 Gültigkeit erlangt.

Redaktioneller Hinweis: Den aktuellen Text der geplanten Änderungen der Erneuerbaren-Richtlinie finden Sie auf den Webseiten des EU-Parlamentes unter: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=REPORT&reference=A8-2017-0392&format=XML&language=DE#title1 („Änderungsantrag 171, Vorschlag für eine Richtlinie Artikel 19, Absatz 2, Unterabsatz 3“).

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Es kommentiert Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. Foto: Enver Hirsch / Greenpeace Energy eG
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