Neuer Bürgerenergie-Bericht vorgestelltDen Prosumern gehört die Zukunft!

– Meldung

Die gemeinschaftliche Nutzung von erneuerbarer Energie dürfte zur tragenden Säule eines zukünftigen Energiesystems werden. Voraussetzung für einen Boom des so genannten „Prosumings“ ist allerdings, dass Bürgerenergie-Akteure ihre Stärken konsequent weiterentwickeln und die Politik regulatorische Hemmnisse abbaut. Dies sind die zwei wichtigsten Erkenntnisse aus dem heute vorgestellten Bericht „Bürgerenergie – heute und morgen“, den das Bündnis Bürgerenergie und Greenpeace Energy heute in Berlin vorstellten.

Stellten den Bericht heute in Berlin vor (v.l.nr.): Stephan Franz (Büro F), Rene Mono (Bündnis Bürgerenergie), Marcel Keiffenheim (Greenpeace Energy)

Der Bericht zeigt für viele tausend Bürgerenergieprojekte in Deutschland und Europa auf, wie sie zu Vorreitern des gemeinschaftlichen Prosumings – also der Erzeugung, der Speicherung, des Verbrauchs und des Handels von sauberer Energie für Strom, Wärme und Mobilität innerhalb einer Gemeinschaft – werden können. Dabei gilt es vor allem, Hürden abzubauen. „Die Regulierung auf dem Energiemarkt ist derzeit noch klar zum Nachteil dezentraler Versorgung ausgelegt. Wer bereits heute Energie-Prosumer ist und seinen Bedarf etwa mit einer genossenschaftlich betriebenen PV-Anlage selbst deckt, ist hoffnungslos gegenüber den Stromkonzernen und Netzbetreibern benachteiligt“, so René Mono, Autor des Berichts und Vorstand beim Bündnis Bürgerenergie. „Dieser Zustand muss sich ändern“, so Mono.

„Fast jeder Bürger kann zum Erzeuger werden, wenn die Rahmenbedingungen dafür endlich vom Gesetzgeber entsprechend angepasst werden“, ergänzte Marcel Keiffenheim, Aufsichtsrat im Bündnis Bürgerenergie und Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy auf der gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin. „Leider ist dies heute nicht der Fall, weil die Politik hier hohe Hürden setzt. In vielen Fällen sind Prosuming-Modelle im größeren Maßstab einfach nicht wirtschaftlich.“

Indem sie Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften bilden, können Bürgerinnen und Bürger das zentralistisch angelegte Energiesystem von heute vom Kopf auf die Füße stellen – mit positiven Effekten für Klima, Demokratie, lokale Ökonomie und Akzeptanz.  „Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften sind im Energiebereich zum Schutz unserer Lebensgrundlagen zwingend notwendig. Und ihr Siegeszug wird, befeuert durch die technische und gesellschaftliche Entwicklung, auch durch eine negative Regulierung nicht aufzuhalten sein. Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften werden jedoch durch eine falsche Politik zur Stunde noch unnötigerweise in ihrer Entwicklung massiv behindert“, sagt René Mono.  „Es kommt aber auch auf die Akteure der Bürgerenergie an“, so Mono weiter: „Denn für viele ist die Entwicklung von herkömmlichen Bürgerenergiegesellschaften hin zu Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften noch ein langer Weg. Es gibt einiges zu tun von der Entwicklung von offenen Standards bis hin zu der Erhöhung von Usability, vor allem durch den Einsatz von digitalen Anwendungen. Auch dies zeigt unser Bericht“.

Durch die Analyse von Praxisbeispielen macht der neue Bericht aber auch deutlich: Was heute von erfindungsreichen und engagierten Bürgerenergiegesellschaften erprobt wird, kann zum Mainstream der Energiewelt im Jahr 2030 werden. Dabei spielen vier Schlüsselfaktoren entscheidende Rollen: Partizipation, Wirtschaftlichkeit des Direktverbrauchs, eine einfache Handhabung vor allem für die Anwender sowie  der Aufbau  der notwendigen Kompetenzen. An diesen Schlüsselfaktoren, so der Schluss der Autoren des Berichts, müssen die Bürgerenergiegesellschaften von heute ansetzen, um die Zukunft des Energiesystems im Sinne des Prosums prägen zu können.

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