Ein Quäntchen zu viel Trübsinn

– Pressemitteilung

Offener Brief an Fritz Vorholz, Redakteur der ZEIT, als Antwort auf seinen Artikel "Kommt die Atomkraft zurück?" vom 17.11.2011

Wenn Fritz Vorholz, ein ausgewiesener Kenner der Energie- und Umweltpolitik, vor einem drohenden Comeback der Atomkraft warnt, stimmt das nachdenklich. Und richtig ist ja, dass Politik und Planungsbehörden die Energiewende nicht immer mit dem gebotenen Eifer vorantreiben. 

Bei näherem Hinsehen stellt sich die Lage freilich weit weniger düster dar: Dass der für mehr regenerative Energie notwendige Ausbau der Stromnetze stockt, liegt vor allem an taktischen Manövern der Übertragungsnetzbetreiber. Firmen wie der niederländische Staatskonzern TenneT beklagen medienwirksam einen Stau bei der Planungsarbeit, um von der Bundesnetzagentur mehr Geld für die neuen Trassen zu erpressen. 

Den Schwarzen Peter protestierenden Bürgern zuzuschieben, wäre deshalb ungerecht - zumal, wie es die ZEIT ja richtig darstellt, engagierte Privatpersonen als Investoren ganz entscheidend zum Ausbau der erneuerbaren Energien beigetragen haben. Und dass die Netzbetreiber den Bürgern zuhören und ihre Sorgen ernst nehmen müssen, ist eine Selbstverständlichkeit. 

Ohnehin ist die Story vom Spinnennetz gewaltiger Stromtrassen, das in Zukunft das ganze Land überziehen soll, eine Schreckensmär, die die Atom- und Kohlelobby nur zu gern verbreitet. Die Wahrheit ist: Wenn wir jetzt in intelligente Speichertechnologien investieren, insbesondere die Umwandlung von Windstrom in Wasserstoff - werden wir auch weiterhin den Ausbau der Netze benötigen. Aber wir können den Ausbau auf das nötige Minimum beschränken. So brauchen wir die Netzkapazität nicht mehr darauf auslegen, in windstarken Zeiten auch die letzte Kilowattstunde aufnehmen zu können. Ein guter Teil der grünen Energie fließt dann nicht mehr als Strom durch Überlandleitungen, sondern als Wasserstoff oder Methan durchs Gasnetz. Und das gibt es zum Glück ja schon.

Lassen wir uns also nicht ins Bockshorn jagen: Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg (oder wie war das gleich?) ist ein absurder Albtraum, der den einen oder anderen im düsteren November überfallen mag. Aber kaum fünf Monate nach dem Atom-Aus die Energiewende schon für gescheitert zu erklären, klingt doch ein bisschen sehr depressiv.

Mehr als ärgerlich sind momentan die Pläne des Bundeswirtschaftsministers, die EU-Energiesparziele zu blockieren. Diese Röslerschen Ideen laufen der Energiewende wirklich zuwider. 

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