StellungnahmeGreenpeace Energy zur aktuellen Diskussion über Ökostrom

– Pressemitteilung

In der Debatte um Ökostrom ist eine Begriffsverwirrung entstanden sowie eine konfuse Darstellung der angeblichen Notwendigkeit, für Ausgleichsenergie von der Börse Strom zu beziehen. Hierzu wollen wir Stellung nehmen.

Fahrplan Stromhandel

Greenpeace Energy kauft den gesamten Strombedarf seiner Kunden ausschließlich aus umweltfreundlichen Kraftwerken ein, die den Qualitätsmaßstäben der Umweltorganisation Greenpeace entsprechen. Dies schließt den Kauf von Atom- und Kohlestrom ebenso aus wie den Bezug von der Strombörse EEX. Wenn die eingekaufte Strommenge nicht ausreicht, den prognostizierten Verbrauch zu decken, muss der Anbieter „Ausgleichsenergie“ zukaufen.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern bezieht Greenpeace Energy auch die Ausgleichsenergie nicht von der Strombörse, sondern ebenfalls von Ökokraftwerken. Da der Stromverbrauch der Kunden nie hundertprozentig mit der Prognose des Stromanbieters übereinstimmen kann, muss der Netzbetreiber „Regelenergie“ bereitstellen, um die Schwankungen auszugleichen. Dieser Strom kann auch aus Kohle oder Atomstrom stammen. Manchmal verbrauchen die Kunden spontan mehr, als die Prognose vorhergesehen hat. Dann fließt Regelenergie. Zu anderen Zeiten konsumieren sie weniger, so dass zu viel Ökostrom eingespeist wird. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, gleicht sich das aber ungefähr aus. Greenpeace Energy hat von 2004 bis 2006 sogar mehr als vier Milllionen Kilowattstunden sauberen Strom mehr eingespeist als die eigenen Kunden im gleichen Zeitraum verbraucht haben. Für das Jahr 2007 ist erst ein Teil unserer Kunden abgelesen, so dass das Ergebnis noch nicht vorliegt. Weil der Einsatz von Regelenergie nicht vorhersehbar ist und vom Anbieter auch nicht beeinflusst werden kann, wird in der gesetzlichen Stromkennzeichnung, die sich auf der Stromrechnung findet, auch kein Regelenergie-Anteil ausgewiesen.

 
Hier die Hintergründe im Detail:
Die Prognose für den Kundenverbrauch erfolgt über so genannte Standardlastprofile, bei Großkunden über individuell berechnete Lastgänge. Diese Verbrauchsprofile, die in der gesamten Stromwirtschaft angewandt werden, basieren auf Erfahrungswerten der Energiewirtschaft. Sie bilden das wahrscheinliche Verbrauchsverhalten eines durchschnittlichen Kunden ab, also wann er wie viel Strom verbraucht. Ein Durchschnittshaushalt zeigt dabei beispielsweise einen besonders hohen Verbrauch am Mittag, einen besonders geringen in der Nacht.

Zweiter Faktor, den der Stromanbieter bei der Verbrauchsprognose auf Basis eines Standardlastprofils berücksichtigen muss, ist die Höhe des Stromverbrauchs. Zwei Kunden können zwar das gleiche Profil im Verbrauchsverhalten haben, also zur gleichen Zeit das gleiche tun - sie verbrauchen aber dennoch unterschiedlich viel. Ein Beispiel: Beide Kunden duschen morgens um sieben Uhr. Der eine heizt sein Wasser mit einem Gas-Durchlauferhitzer auf, der andere nutzt einen Elektro-Boiler.

Die Strommengen der unterschiedlichen Kunden aus den vorherigen Lieferperioden sind sowohl beim Netzbetreiber als auch beim Stromanbieter vermerkt. Auf Basis dieses Prinzips erstellt jeder Stromversorger in Deutschland so genannte Lieferfahrpläne, in denen die prognostizierten Verbräuche seiner Kunden, die im Bereich eines bestimmten Netzbetreibers wohnen, zusammengefasst sind.

Ein solcher Fahrplan wird dem jeweiligen Netzbetreiber täglich gemeldet, damit er weiß, wie viel Strom er dem Lieferanten zuordnen muss. Für diesen Lieferfahrplan muss es nun auch einen entsprechenden Einkaufsfahrplan geben. Dabei muss der Anbieter die Strommengen, die er an Kunden liefert, durch eingekaufte Mengen decken. Es ist möglich, dass Abweichungen entstehen zwischen den langfristig angelegten Lieferfahrplänen und dem tagesaktuell erstellten Lieferfahrplan - beispielsweise weil zwischenzeitlich neue Kunden dazugekommen sind oder weil sich das Verhalten von Kunden vorhersehbar ändert. In solchen Fällen muss „Ausgleichsenergie“ die Differenz zwischen Fahrplan und Bedarf decken. Manche Anbieter kaufen die Ausgleichsenergie an der Börse, wo ausschließlich „Graustrom“ gehandelt wird - Strom unbekannter Herkunft, der jedoch meist aus Atom- und Kohlekraftwerken stammt. Greenpeace Energy lehnt diese Praxis ab und verfolgt stattdessen ein teureres, aber eben auch glaubwürdigeres Modell: offene Lieferverträge mit Ökokraftwerken. Greenpeace Energy schöpft damit die Möglichkeiten aus, den gesamten vorhersehbaren Strombedarf der Kunden mit sauberem Strom glaubwürdig und nachvollziehbar abzudecken.

In der Realität verhalten sich die Stromverbraucher natürlich anders als selbst die beste Prognose vorhersehen kann. Jemand steht früher auf, duscht länger oder kocht sich kurz entschlossen ausnahmsweise mal kein Abendessen. Für solch spontanen Mehr- oder Minderverbrauch gibt es die „Regelenergie“. Auch wenn die Begriffe sich ähneln, dürfen Regelenergie und Ausgleichsenergie in einer Debatte über Ökostrom nicht vermischt oder synonym verwendet werden. Denn die Bedingungen ihres Einsatzes unterscheiden sich fundamental: Anders als bei Ausgleichenergie haben Ökostromanbieter bei Regelenergie keinerlei Möglichkeiten, Einfluss auf Stromqualität zu nehmen.

Der Einsatz der Regelenergie obliegt ausschließlich den Netzbetreibern, die in ihren jeweiligen Gebieten über die Stabilität des Stromnetzes wachen. Wenn also unerwartet mehr Strom verbraucht wird, müssen die Netzbetreiber sofort Regelenergie einspeisen. Sonst würde die Spannung im Netz absinken, die Versorgungssicherheit wäre gefährdet. Zu welchem Anbieter die Stromkunden gehören, die den Mehrverbrauch verursacht haben, stellt sich dagegen erst nach Ablesen der Zähler heraus, unter Umständen einige Monate später. Dass ein Anbieter, der nicht zugleich Netzbetreiber ist, selbst ökologische Regelenergie bereitstellt, die die spontanen Verbrauchsschwankungen seiner Kunden ausgleicht, ist auch von daher unmöglich. Deswegen ist es auch nur logisch, dass in der gesetzlichen Stromkennzeichnung, die sich auf der Stromrechnung finden, kein Regelenergie-Anteil ausgewiesen wird.

Über einen längeren Zeitraum gesehen, gleichen sich Mehr- und Minderverbrauch innerhalb des Kundenstammes eines Anbieters mehr oder weniger aus. Solange es keine saubere Regelenergie gibt, lässt sich nicht ausschließen, dass ein Ökostrom-Kunde über den Umweg der Regelenergie eine geringe Restmenge Graustrom erhält. Gleichermaßen ist es möglich, dass der Ökostromanbieter mehr Strom ins Netz eingespeist hat, als der Kunde verbraucht hat. Von 2004 bis 2006 hat Greenpeace Energy insgesamt mehr als vier Millionen Kilowattstunden sauberen Strom mehr eingespeist als die eigenen Kunden im gleichen Zeitraum verbraucht haben. Für den Zeitraum davor gibt es nur unvollständige Mehr- und Mindermengen-Abrechnungen der Netzbetreiber, weil die Abrechungsverfahren noch nicht durchgängig praktiziert wurden. Für das Jahr 2007 ist erst ein Teil unserer Kunden abgelesen, so dass das Ergebnis noch nicht vorliegt.

Zusammenfassend muss ausdrücklich auf den Unterschied zwischen Ausgleichsenergie und Regelenergie hingewiesen werden. Auf die Herkunft der Ausgleichsenergie hat der Ökostromanbieter nach unserer Auffassung durchaus einen Einfluss auf die Herkunft des Stromes. Bei der Regelenergie der Netzbetreiber ist leider die technische Grenze einer zeit- und mengengenauen Belieferung erreicht - ein Umstand auf den wir seit unserer Gründung im Jahre 1999 in vielen Vorträgen zum Funktionieren des Strommarktes und in Publikationen transparent hinweisen.

 Die Vorteile für Greenpeace-Energy-Kunden

  • Mehr als 80.000 Kunden werden mit Strom aus umweltfreundlichen Kraftwerken versorgt, die zu 100 Prozent erneuerbare Energien nutzen.
     
  • Jeder Kunde wird nach spätestens fünf Jahren mit Ökostrom aus Kraftwerken versorgt, die in diesen fünf Jahren neu gebaut wurden.
     
  • Bau eigener Ökokraftwerke.
     
  • Politisches Signal gegen die Atom- und Kohlekonzerne, aktives Eintreten für eine ökologische und verbraucherfreundliche Stromwirtschaft.
     
  • Bei der Genossenschaft Greenpeace Energy mit über 14.000 Mitgliedern sind die Eigentümer gleichzeitig auch Kunden, was für gleichgerichtete Interessen sorgt - an fairen Strompreisen, und an einer ökologisch ausgerichteten Geschäftspolitik, die nicht auf Profitmaximierung setzt.
     
  • Einer der preisstabilsten Stromanbieter überhaupt.
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