Erwiderung zum taz-Artikel „Hauptsache schöne Schlagzeilen“ vom 18.12.2018Langfristiges und aufwändiges Engagement statt PR

– Pressemitteilung

Die Energiegenossenschaft Greenpeace Energy wurde gegründet, um die Energiewende zu einem Erfolg zu machen. In diesem Zuge betreibt Greenpeace Energy sehr großen Aufwand, um Lösungen für die Energieversorgung von morgen aufzuzeigen und wichtige Anstöße zu geben. Am 26. November 2018 stellte Greenpeace Energy öffentlich das ReinRevierWende-Konzept vor. Es sieht die schnelle Übernahme und Stilllegung der Braunkohlekraftwerke und -tagebaue von RWE sowie die anschließende Nutzung der Flächen mit erneuerbaren Energien vor. Während das Konzept auf weitgehend positives Echo stieß, bezeichnet die taz den Vorschlag in einem am 18. Dezember erschienen Artikel als „PR von Greenpeace Energy“. Dass unsere Arbeit auch für Gegenwind sorgt, verwundert nicht. Und diese Wertung ist natürlich Sache der Autoren. Allerdings finden sich in dem Artikel einige falsche oder verzerrende Aussagen, die wir so nicht stehen lassen können:

In dem Artikel behaupten die taz-Autoren, die neu zu gründende Genossenschaft, an der auch Greenpeace Energy von Anfang an beteiligt wäre, wolle lediglich auf ehemaligen Tagebauen Wind- und PV-Anlagen betreiben, während die Kosten des Braunkohle-Ausstiegs auf die Allgemeinheit gewälzt würden. Das ist falsch. Tatsächlich sieht das Konzept vor, dass die Betreiber-Genossenschaft den Kaufpreis der stillzulegenden Kraftwerke aufbringen müsse, wobei dieser laut Berechnung eines unabhängigen Beratungsinstituts bei 384 Millionen Euro liegen sollte. Dies erwähnt die taz ebenso wenig wie das Angebot, dass die Betreiber-Genossenschaft insgesamt sieben Milliarden Euro in Wind- und Photovoltaikanlagen investieren würde – ohne dafür EEG-Förderung und damit die Gesamtheit der Stromverbraucher zur Absicherung in Anspruch zu nehmen. Bei Umsetzung des Konzeptes würden dank des Bürgerenergieengagements insgesamt 8,2 GW an Wind- und Photovoltaikanlagen zusätzlich zum derzeit gesetzlich vorgesehenen Ausbau erneuerbarer Energien entstehen und die Emission von insgesamt 441 Millionen Tonnen CO2 vermieden. Wieso dies ein „Vorschlag zur Lasten Dritter“ sei, lässt sich aus Sicht von Greenpeace Energy schwer nachvollziehen.

Die Kritik der taz entzündet sich am ersten Satz im Vorspann zur Presseerklärung vom 26. November, der so lautet: „Greenpeace Energy will die Braunkohle-Tagebaue und -Kraftwerke des RWE-Konzerns im Rheinischen Revier ab 2020 stufenweise übernehmen und bis 2025 stilllegen.“ Dass Greenpeace Energy dies nicht alleine tun würde, sondern die Gründung zweier Unternehmen mit Beteiligung von Bürgern und Kommunen initiieren will, steht erst in den folgenden Sätzen der Presseerklärung. Dies gilt auch für die finanzielle Ausstattung der betreffenden Gesellschaften, für die (neben einer Anschubfinanzierung von Greenpeace Energy und privaten Investitionen) auch Steuergelder (für Tagebau-Renaturierung und Arbeitsplatz-Sicherung) in Anspruch genommen werden sollen, weil dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, an der sich nach entsprechenden Verhandlungen mit staatlichen Stellen auch RWE beteiligen muss. Ob der erste Satz der Presseerklärung für sich allein genommen einen falschen Eindruck erwecken könnte oder eine zulässige – und im Folgenden erklärte – Zuspitzung im Rahmen des Vorspanns darstellt, lässt sich diskutieren. Bedauerlich ist aber, dass der taz-Artikel den falschen Eindruck erweckt, Greenpeace Energy enthalte der Öffentlichkeit bewusst entscheidende Details des Konzepts vor, was jedoch nicht der Fall ist.

Ähnliches gilt bei der Frage, ob es legitim ist, in der Presseerklärung zur ebenfalls im taz-Artikel genannten Umfrage diejenigen Befragten, die das vorgeschlagene Konzept als „interessant, aber schwer umsetzbar“ bewerteten, mit zu den Befürwortern zu zählen. Wir haben diese Antwortkategorie als eher zustimmende und nicht als neutrale oder gar ablehnende Äußerung interpretiert und sehen die Zusammenfassung daher als gerechtfertigt an. Allerdings räumen wir ein, dass eine genauere Ausdifferenzierung und Nennung der betreffenden Antwortkategorien in der Presseerklärung vom 7. Dezember für das bessere Verständnis hilfreich gewesen wäre. Den Vorwurf, dass bei der Veröffentlichung der Zahlen „getrickst“ worden sei, weisen wir jedoch entschieden zurück – schließlich haben wir die ausführlichen Umfrageergebnisse gemeinsam mit der Presseerklärung veröffentlicht und damit für alle einsehbar gemacht.

Der taz-Artikel kritisiert darüber hinaus auch einige weitere Presseerklärungen und Aktivitäten von Greenpeace Energy. So hatte Greenpeace Energy 2018 den Think-Tank Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) mit einer Studie zur Frage „Was Braunkohle wirklich kostet“ beauftragt. Als „kreativen Umgang mit Fakten“ bezeichnet die taz die Überschrift der dazugehörigen Presseerklärung, die lautet: „Braunkohle-Ausstieg spart jährlich fast 28 Milliarden Euro“. Das ist aus Sicht von Greenpeace Energy nicht nachvollziehbar. Die Studie (welche die taz übrigens von der Kritik ausnimmt) wird korrekt dargestellt.

Bei einer weiteren Presseerklärung zu einer Greenpeace-Energy-Studie aus dem Jahr 2018 kritisiert die taz zu Recht den Titel „Windgas in wenigen Jahren günstiger als Erdgas“. Der erste Satz der Presseerklärung nennt dann die „2030er“ als betreffenden Zeitraum – was in der Tat weiter als „wenige Jahre“ weg ist. Aus solchen, im Einzelfall auftretenden textlichen Unschärfen jedoch eine generelle Strategie abzuleiten, erachten wir als einen konstruierten und überzogenen Vorwurf.

Nach Ansicht der taz-Autoren „buhlt Greenpeace Energy besonders intensiv um Aufmerksamkeit“. Als Beispiel nennt die taz die 2015 eingereichte Klage von Greenpeace Energy gegen das geplante britische AKW Hinkley Point C („in der Sache erfolglos, aber mit viel Publicity“). Greenpeace Energy kann diese Einschätzung der taz-Autoren nicht nachvollziehen. Wir finden es weiterhin richtig, dass sich Greenpeace Energy mit großem personellen, finanziellen und juristischen Aufwand dafür einsetzt, eine mögliche Wiederkehr der Atomkraft in Europa nicht nur zu bedauern, sondern dagegen rechtlich vorzugehen, soweit es in unserer Macht stand. Dieses langfristige und sehr aufwändige Engagement ist das Gegenteil einer bequemen, auf billige PR-Effekte abzielenden Strategie.

Greenpeace Energy wird auch in Zukunft nicht nur „grüne Kilowattstunden“ verkaufen, sondern sich weiterhin mit aller Kraft für eine schnelle, konsequente Energiewende einsetzen – und öffentlich um Unterstützung auf diesem Weg werben. Das ist nach unserer Überzeugung keine fragwürdige PR. Es ist das, wofür Greenpeace Energy gegründet wurde.

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