Unsere Antwort auf den Spiegel-Artikel "Geist aus der Flasche", Heft 29/2017 Ohne Windgas keine erfolgreiche Energiewende

– Kommentar

"Fahren mit Stroh - bieten Autos mit Biogasantrieb einen Ausweg aus dem Dieseldrama?", fragte "Der Spiegel" in seiner jüngsten Ausgabe (Heft 29/2017). Neben einem Verfahren, aus Strohabfällen Biosprit zu gewinnen, warf das Hamburger Nachrichtenmagazin auch einen Blick auf das Potenzial von Windgas - also erneuerbarer Wasserstoff oder Methan, auch als Power-to-Gas bekannt - als alternative Kraftstoffe. Dabei fielen einige wichtige Fakten unter den Tisch. Greenpeace Energy liefert den Kontext:

Windgas-Elektrolyseur im fränkischen Haßfurt

Anders als das im Spiegel-Artikel gelobte, aus Strohabfällen gewonnene Methan, das die Klimaschäden durch den Pkw-Verkehr aber nur marginal mindern kann, ist erneuerbares Windgas für eine gelungene Energiewende unverzichtbar.

Denn per Elektrolyse aus Ökostrom erzeugter Wasserstoff und Methan garantieren die wichtige Versorgungssicherheit für das Industrieland Deutschland auch dann, wenn unsere Stromversorgung zukünftig weitgehend auf Wind- und Solarenergie basiert. Als Windgas können sie in riesigen Mengen im vorhandenen Gasnetz gespeichert werden. Damit lassen sich selbst lange Dunkelflauten überbrücken, immer wieder vorkommende Wetterlagen ohne Wind und Sonne, indem hocheffiziente Gaskraftwerke aus den erneuerbaren Gasen klimafreundlichen Strom produzieren. Eine solche Versorgungssicherheit für Zeiträume von bis zu drei Monaten bietet keine andere Speichertechnologie.

Auch die fossilen Kraftstoffe im Schwerlast-, Schiffs- und Flugverkehr lassen sich in den erforderlichen gigantischen Mengen klimafreundlich nur auf Power-to-Gas-Basis ersetzen. Mit Akkus, also elektrisch, lassen sich Containerschiffe und Langstreckenjets nicht betreiben. So können erneuerbarer Wasserstoff und erneuerbares Methan dabei helfen, den Verkehrssektor - in dem die Energiewende praktisch noch nicht stattgefunden hat - insgesamt CO2-frei zu machen. Eine wichtige Rolle in dieser sogenannten Sektorkopplung werden sie auch in der Chemieindustrie spielen, wo heute verwendete Grundstoffe auf der Basis von Erdöl und Erdgas nur auf der Basis von Windgas im großen Stil ersetzen lassen.

Derzeit allerdings sind die Preise für Ökowasserstoff mit 30 bis 40 Cent pro Kilowattstunde noch hoch, verglichen mit einem Preis von weniger als 2 Cent die kWh, zu dem die Industrie Erdgas bezieht. Das schreibt "Der Spiegel" korrekt. Er ignoriert zugleich aber die Ursache für das heutige Preisniveau: Die aktuellen Windgas-Elektrolyseure sind einzeln angefertigte Pilotanlagen. Entprechend hoch ist ihr Preis. Werden sie in künftig in Serie gefertigt, wird die Produktionstechnik immer günstiger und der Wirkungsgrad der Anlagen steigt deutlich an, wie es zum Beispiel bei der Windenergie und der Photovoltaik der Fall war und ist. Und damit sinkt auch der Preis des Ökowasserstoffs drastisch. Die Zahlen von heute sind also nicht relevant für die Zukunft.

Um im Mobilitäts-Bild zu bleiben: Auch ein Pkw-Prototyp ist ja viel teurer als die späteren Serienautos vom Band.

Power-to-Gas-Anlagen sind also die Garanten einer erfolgreichen Energiewende. Nicht nur in Deutschland, das in dieser Technologie noch an der Spitze liegt. Andere Länder holen allerdings auf - oder setzen zum Überholen an. Der Einstieg in diese fundamental wichtige Sektorkopplungstechnologie muss heute beginnen, damit sie infolge von Lerneffekten und Entwicklungsschüben kostengünstig verfügbar ist, wenn sie für die Versorgungssicherheit in Deutschland unverzichtbar ist.

 

 

 

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