Neue Studie zu Ökostrommarkt in JapanWeniger Privilegien für Konzerne, mehr Rechte und Transparenz beim Stromeinkauf – so hätten japanische Erneuerbaren-Anbieter bessere Chancen

– Pressemitteilung

Um in Japan einen fairen Wettbewerb für Ökostromanbieter zu schaffen, müsste die dortige Regierung Privilegien für konventionelle Stromkonzerne deutlich reduzieren und den Markt weiter liberalisieren. Das zeigt eine neue, von Greenpeace Japan beauftragte und von Greenpeace Energy finanzierte Studie des Instituts für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES). Das bisherige Modell eines „Grundlastmarktes“ müsste danach durch einen nachfrageorientierten Terminmarkt ersetzt werden, der auch andere Sektoren wie Wärme mit einbezieht. Zudem müsste für Ökostromanbieter der Zugang zu wichtigen Energiequellen wie Wasserkraft erleichtert werden. „Die Marktliberalisierung in Japan geht zu langsam voran, die Eintrittsbarrieren für echte Grünstromanbieter sind noch immer viel zu hoch“, sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy.

Die jetzt vorgelegte Studie schlägt vor, wie die Hürden für Ökostromanbieter abgebaut werden können –  und wie Japan seine Klimaziele im Energiesektor leichter erreichen könnte, ohne sich weiter von riskanter Atomenergie abhängig zu machen. Japans Strommarkt ist noch immer auf die zehn früheren regionalen Monopolversorger zugeschnitten: 75 Prozent der Erzeugungskapazitäten liegen in den Händen großer Konzerne wie Tepco. Das gilt auch für besonders profitable Wasserkraftwerke. In Japan wird über die ungleiche Verteilung der Besitzverhältnisse bei der Wasserkraft bereits intensiv diskutiert.

Weil alle Energieanbieter hohe Auflagen für die Sicherung der Stromlieferung erfüllen müssen –  etwa durch teure Reserve-Kapazitäten –, werden insbesondere kleine Grünstromanbieter benachteiligt. Insbesondere dann, wenn diese in ihrem Mix hohe Wind- und Solarstromanteile haben, die wetterbedingten Schwankungen unterliegen. „Dies führt dazu, dass die Grünstromhändler die benötigten hohen Mengen an Back-Up-Kapazität hauptsächlich von den großen Versorgungsunternehmen einkaufen müssen, vor allem aus Wasserkraft“, so Studienkoordinator Patrick Matschoss vom IZES.

Die Studie schlägt als Sofortmaßnahme deshalb unter anderem vor, Energieanbieter künftig von der Pflicht zur Kapazitätssicherung ganz oder teilweise zu entbinden. Die Versorgungssicherheit könne effizienter über einen einfacheren Zugriff auf bestehende Wasserkraft-Kapazitäten für alle Stromhändler gewährleistet werden. Zudem sollten Stromanbieter ihre Lieferverpflichtungen mit Hilfe von Großhandelsmärkten erfüllen können, wie sie etwa in Europa üblich sind. Schließlich sollte für die Nutzung von Strom aus Wasserkraft ein Nachweissystem eingeführt werden, das einen Preisaufschlag für die ökologische Qualität von Wasserkraft erhebt – mit klarer Abgrenzung zur Atomkraft. Denn bislang werden beschaffte Strommengen aus Wasser- wie aus Atomkraftwerken im selben Zertifikate-System gehandelt. Dies aber trage nicht zur ökologisch ausgerichteten Energiewende in Japan bei, kritisieren die Autoren der IZES-Studie.

Die zusätzlichen Erträge aus verkauften Wasserkraft-Nachweisen könnten laut der Untersuchung dann in einen neu zu schaffenden Energiewende-Fonds fließen. Zudem sollte ein neu designtes System für Herkunftsnachweise präziser als bisher Standort und Quelle des Kraftwerks offenlegen und Verbraucherinnen und Verbraucher so Transparenz bieten. „Diese Transparenz ist der Schlüssel für mehr Akzeptanz“, sagt Marcel Keiffenheim. „Wenn ich genau erkennen kann, dass mein Strom aus Erneuerbaren Energien und nicht aus einem AKW stammt, steigert das die Marktchancen für Ökoanbieter deutlich. Neun Jahre nach Fukushima wollen viele Menschen nicht mehr von Atomstrom abhängig sein“, so Keiffenheim.

Parallel zu einer Reform des Energiemarktes sollte die Regierung in Tokio laut IZES auch bessere Rahmenbedingungen für den Ausbau von Erneuerbaren-Kapazitäten setzen –  insbesondere bei der Windkraft. Wächst der Anteil von Wind- und Solarkapazitäten im Netz, müsse auch der Netzausbau daran angepasst und immer wieder aktualisiert werden, so die Studien-Autoren.

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